Zur Kenntnis … am 14. Februar

Es läuft nicht wirklich gut gerade für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und ihren Präsidenten Hermann Parzinger. Gestern hat die bereits öffentlich designierte Sammlungsdirektorin Inés de Castro aus Stuttgart den Job wieder abgesagt. Ihr war eine Schlüsselfunktion bei Führung und Ausgestaltung des Museumskomplexes im Humboldtforum zugedacht, das ja bereits nächstes Jahr im wiederaufgebauten Berliner Stadtschloss eröffnen soll. Jetzt geht die Besetzung dieser Top-Personalie von vorne los, doch sie ist nun um einen bösen Haken reicher: Jede*r andere Kandidat*in weiß, dass sie oder er bestenfalls Zweite Wahl ist – je nachdem, wer vorher schon alles abgewunken hat, aber vielleicht auch erst Dritte oder Vierte oder so. Wollen international begehrte Fachleute sich dieses Stigma wirklich anheften?

Und das ist ja längst nicht alles, denn parallel laufen auf gleich mehreren Ebenen ziemlich zermürbende Debatten um die aktuell jedenfalls aufmerksamkeitsintensivste Kulturbaustelle Deutschlands*. Ungeklärt sind oder scheinen: Die konkrete Botschaft des Riesentankers, der nicht bloß ein nationales Prestige-Museum sein soll, sondern mindestens auch noch ein supranationaler Thinktank für globales Kulturverständnis. Eine schlüssige Haltung zum Thema Kolonialismus wird angemahnt, die über kollektives Bedauern und gelegentliche Rückgaben hinaus eine Idee, vielleicht sogar ein Modell für den Umgang mit international gewalttätiger Staatsgeschichte darstellt, und zwar nach innen (Museum) wie nach außen (internationale Beziehungen). Und nicht zuletzt ist die innere Verfasstheit der Institution im Herzen der deutschen Hauptstadt – vorsichtig formuliert – etwas unklar. Das absehbare Organigramm des Humboldtforums lässt jede halbwegs erfahrene Managementkraft an akutem Drehschwindel erkranken. Der Bund, die Stadt Berlin und die Museen der Stiftung bestehen auf Zuständigkeiten und favorisieren darüber hinaus verschiedene Konzepte für die Gesamtleitung. Wenn sich die Themen- und die Orgafragen dann auch noch verschränken, wird’s richtig krude.

Zu Beginn der Woche konnte man dazu bei Twitter einen interessanten Schlagabtausch zwischen Hermann Parzinger, dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer, dem Kolonialismusforscher Jürgen Zimmerer und dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann verfolgen. Auslöser war eine Präsentation im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Dort hatte der Leiter des Stadtmuseums, Paul Spies, die Pläne für jene annähernd 4000 Quadratmeter im Humboldtforum vorgestellt, die sein Haus künftig bespielt. Die Berliner Morgenpost berichtete anschließend ausführlich darüber. Interessant am darauf folgenden Scharmützel des Kultur-Quartetts ist, dass Parzinger und Lederer nicht gerade als Best Buddys bekannt sind. In der Auseinandersetzung mit dem Duo Zimmerer/Zimmermann galt für die beiden Repräsentanten staatlicher Institutionen allerdings der alte Koalitionsgrundsatz: Getrennt marschieren, vereint schlagen. Das kann demnächst noch ziemlich lustig werden … also wenn’s gut läuft. Wenn’s nämlich nicht gut läuft, wird es nicht mal das: lustig.

… und sonst:

Zuletzt ein zumindest leicht eigennütziger Hinweis für ambitionierte Kulturmager*innen: Wuppertal sucht eine neue Leitung für das städtische Kulturbüro – und eine super Stadt (siehe Foto) braucht super Personal. Die Stelle wird EXTERN besetzt. Spread the word!

(*es wird übrigens immer wieder behauptet, das Berliner Stadtschloss sei die größte/teuerste Kulturbaustelle Deutschlands. Das stimmt – jedenfalls aus jener Hauptstadt-Perspektive, für die Deutschland hinterm Wannsee gleich mit Berlin zusammen aufhört. Ansonsten war sie es aber schon bei Grundsteinlegung wegen der parallel entstandenen Elbphilharmonie nicht. Und je nachdem, wie sich die Kölner Oper so entwickelt, wird sie es auch in ihrer Restlaufzeit nicht sein.)

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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