Ute Schäfer und die Barbaren

Die NRW-Kulturministerin hatte am Wochenende zum dritten Mal in die Dachlounge ihres Düsseldorfer Amtssitzes eingeladen. Dort sollten Politik, Kulturbetrieb und Künstler über das Thema „Kunstvermittlung“ ins Gespräch kommen. Das scheiterte aber ein bisschen – weil nicht alle die gleiche Sprache sprachen.

Erst mal gab es süße Häppchen und Kaffee für die etwa 200 Anwesenden auf der 16. Etage des Kulturministeriums. Die ist nach Westen hin großzügig verglast, und allein der Blick über Landtag und Rhein in die tiefstehende Wintersonne ist den Weg dort hoch wert. Das allein hätte aber nicht so viele Repräsentanten der NRW-Kultur hierher gelockt, darunter Kunstsammlungschefin Marion Ackermann, Moyland-Direktorin Bettina Paust und ecce-Vize Bernd Fesel. Vielmehr waren die ersten beiden Veranstaltungen des „Kulturpolitischen Dialogs“ im vergangenen Jahr so gut angekommen, dass die Veranstaltung zum Pflichttermin für die Szene geworden ist. Als Ute Schäfer um kurz nach halb vier dann die eröffnenden Worte sprach, lief es aber bereits erstmals unrund: Vielleicht hatte nicht ihr üblicher Redenschreiber getextet, vielleicht hatte sich irgendwer thematisch verhoben, jedenfalls geriet das Eingangsstatement der Ministerin ziemlich verschwurbelt. Es ging um die Frage, ob Kunst ganz voraussetzungslos erfahrbar sei oder sein müsse oder sein könne oder dürfe oder vielleicht auch ganz anders. Schäfer las ab, was sie dazu Kluges sagen sollte, und in diesen Situationen merkt man der Ministerin immer schnell an, ob es ihre Worte sein könnten, die sie da spricht … aber Ute Schäfer fand ihre Sprache nicht.

Im Nachhinein wirkte das wie ein Vorbote auf den zentralen Teil der folgenden zwei Stunden. Dabei ist das Format der Veranstaltung eigentlich tauglich: Die beiden Moderatoren, „Welt“-Kulturredakteurin Christiane Hoffmans und der frühere Essener Kulturdezernent wie Kulturhauptstadt-Geschäftsführer Oliver Scheytt, begrüßen sechs Gäste. Die werden jeweils zu zweit auf der Bühne einvernommen, um das Gespräch im Zaum zu halten. Danach dürfen die Diskutanten der Landesregierung noch etwas ins Stammbuch schreiben, anschließend kann das „Publikum“ Fragen stellen. Ganz zum Schluss fasst die Ministerin zusammen, was sie bemerkt oder gelernt hat.

Dass es sich bei den Anwesenden fast nur um Kulturarbeiter aus allen Ecken des Landes handelt – vom ministerialen Mittelbau bis zur Diaspora-Galeristin – sorgt für eine gewisse Augenhöhe untereinander; allerdings nur, wenn man dieselbe Sprache spricht. Was sonst passieren kann, zeigte sich beim mittleren Duo des Nachmittags: Der Maurizio Kagel-Schülerin Carola Bauckholt, einer international hochdekorierten Klangkünstlerin der Neuen Musik, und dem Konzeptkünstler Jochen Gerz, seit den 1970er Jahren eine feste Größe im internationalen Betrieb. „Braucht Kunst Vermittlung?“, fragte Moderator Scheytt die beiden zum Auftakt, und Bauckholt begann gleich mit einem Paukenschlag: „Mir ist das Publikum egal“, beschied sie die Frage kurz und knapp. Sie mache ihre Musik nicht für irgendwelche Leute, sondern weil sie der Klang und seine Formung interessierten. Das könne sie nur hören, wenn ihre Werke gespielt würden, Musiker seien ihr Werkzeug. Doch seit etwa 15 Jahren gäben Förderinstitutionen, allen voran der Deutsche Musikrat, nur noch Geld für Projekte mit einem Vermittlungsanteil. Das ständig mitzudenken, bedrohe aber die eigentliche Kunst …

Da war bereits eine beinahe laute Stille im Saal zu vernehmen, aber Bauckholt, einmal in Fahrt, setzte noch einen drauf: Sie halte auch gar nichts von Programmen wie „Kultur und Schule“, die sie als Komponistin in Klassen schickten. „Wozu gibt es eigentlich Lehrer?“, fragte sie. Das wirkte zwar provokativ, doch so war es gar nicht gemeint: Die sehr ernsthafte Künstlerin war einfach nur gnadenlos ehrlich.

Die Kunstvermittlung ist nun eines von Ute Schäfers persönlichen Steckenpferden. Sowieso hat sie ihrem Sammelsuriums-Ministerium aus fünf Ressorts ziemlich forsch die „Lebensbildung“ als gemeinsamen Daseinszweck eingeschrieben, doch vor allem anderen betont sie stets die „Kulturelle Bildung“. Deren besonderen Wert betet Schäfer ihren Gesprächspartnern landauf, landab beinahe wie ein persönliches Mantra vor, und alle im Saal wissen das an diesem Samstagnachmittag. Die aus ihrer Kunstfixiertheit gespeiste Ablehnung solchen Handelns durch Carola Bauckholt lässt die versammelten Funktionsträger des Kulturbetriebs deshalb erst stutzen. Aber nur kurz, dann finden die Kompromissehändler des kulturpolitischen Alltags, allen voran die Vertreter der Verbände, Parlamente und Behörden, die Fassung wieder. Und lächeln fortan höchstens ein bisschen spöttisch, weil Ihnen die Radikalität der Künstlerin fremd bleibt – so wie Carola Bauckholt selbst das „Publikum“. Trotzdem wirkten viele noch zusätzlich erleichtert, als Jochen Gerz dann seine Antwort mit dem Satz eröffnet: „Ein Ferrari von 1937 ist ein tolles Auto, aber wir leben in der Gegenwart“. Und sofort schien ein dichotomisches Weltbild auf, dass die Welt schön einfach macht: Dort die weltfremd-versponnene Künstlerpersönlichkeit Bauckholt in ihrem Elfenbeinturm, hier der lebensnahe Kunst-Pragmatiker Gerz mit seinem Schuss rheinischer Erdung und dem vom langen Leben in Köln und Düsseldorf geprägten fröhlichen Fatalismus. Doch auch das war nur ein Lehrstück in falsch verstandener Erwartungsbestätigung.

Gerz schwang sich anschließend nämlich in derart kunstvolle Gedankenkurven, dass selbst ein notorischer Interviewhasardeur wie Jonathan Meese daneben als geradliniger Denker erschien. „Wir brauchen ein Fußballspiel für 80.000 Spieler und 22 Zuschauer. Darf man so etwas sagen? Alles hat Geschichte“, meinte Gerz schließlich. Doch da waren im Spiel „Guter Künstler – böser Künstler“ die Würfel längst zu Gunsten des bald 72-Jährigen gefallen und Bauckholt hatte die Arschkarte der konzessionsunfähigen Realitätsverweigerin gezogen. Dabei argumentierte Gerz eigentlich noch radikaler, doch das ging unter – auch weil es den Moderatoren nicht gelang, sich auf ihre Gesprächspartner einzulassen. Stattdessen fragten sie stur ihre Vorbereitungskärtchen runter, was der Runde zum guten Schluss noch eine das Groteske mehr als streifende Schlusssentenz bescherte: Die Künstler wurden um ihre Einschätzung der Kunstvermittlungsbemühungen in NRW gebeten, obwohl beide dieses Gebiet zuvor schon mehrfach für entweder irrelevant oder ihnen unbekannt erklärt hatten. Klangkünstlerin Bauckholt blieb sich sehr treu und forderte statt einer Antwort „freie Räume für voraussetzungslose Kunst“. Jochen Gerz hingegen schien sich der verzweifelten Moderatoren erbarmen zu wollen: verschmitzt entgegnete er, Nordrhein-Westfalens kulturelle Infrastruktur sei „die dichteste der Welt“. Seine unmittelbar anschließende Frage „Aber wo isse?“ hatte dann sogar Eulenspiegelsche Qualität, doch Hoffmans und Scheytt waren jetzt nur noch sichtbar erleichtert, am Ende des vorgesehenen Zeitfensters und ihrer Frageliste angekommen zu sein.

„Barbaren“ nannten die Griechen entgegen der heutigen Lesart des Wortes nicht etwa besonders brutale Nachbarn, sondern schlicht alle Völker, die des Griechischen nicht (ausreichend) mächtig waren. Das traf auch Perser, Phönizier wie Ägypter, obwohl sie selbstverständlich über große Sprachen verfügten. Aber sie sprachen eben nicht die vermeintliche Hochsprache jener Zeit. So war es am Samstag auch ein bisschen im, welch‘ Ironie, Düsseldorfer Kulturministerium: Hier bedienten sich sogar alle der gleichen Wörter und Syntax, aber ein Gespräch hat selbst das im zentralen Moment, der Konfrontation mit Künstlern, nicht ermöglicht.

Dafür war es manchmal ein bisschen brutal. Die Ministerin selbst hat das in ihrem Schlusswort eloquent überspielt, aber für die „Kulturpolitischen Dialoge“ der Zukunft wird es ein größeres Bemühen um eine gemeinsame Sprache geben müssen. Sonst werden von Ihnen nur Häppchen, Kaffee und eine schöne Aussicht in Erinnerung bleiben.

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Alice kriegt die Rechnung

Die rotgrüne Landesregierung und Deutschlands bekannteste Frauenrechtlerin haben Streit. Es geht um 140.000 Euro jährliche Förderung, die ein Düsseldorfer Ministerinnentrio für den FrauenMediaTurm (FMT) in Köln gestrichen hat. Oder um einen alten Konflikt zwischen der Emanzipationsikone und – ausgerechnet – den Grünen in Köln.

„Frauen sind nicht etwa die besseren Menschen; sie hatten bisher nur nicht so viel Gelegenheit, sich die Hände schmutzig zu machen.“ Mit diesen Worten wird Alice Schwarzer auch in manchem Artikel zitiert, der in den Regalen des feministischen Archivs im Kölner Bayenturm verwahrt wird. Bei dieser 1984 gegründeten Stiftung handelt es sich laut Eigenwerbung um die „thematisch umfassendste, modern erschlossene Spezialbibliothek zu Geschlechtergerechtigkeit und Genderforschung“. Seit 1994 ist das Archiv im mittelalterlichen Bayenturm am Kölner Rheinauhafen untergebracht. Dessen Renovierung wurde von der Stadt Köln, seine Einrichtung wenigstens zum Teil von der Stiftung bezahlt. Deren Kapital stammt aus einer Spende des Hamburger Mäzens Jan-Philipp Reemtsma in Höhe von zehn Millionen Mark. Damit sollte vor allem der Archivbetrieb für die ersten 20 Jahre gesichert werden. Ab 2004 wurden also weitere Geldgeber nötig.

Alice Schwarzers gute Vernetzung in die Politik ist bekannt. Das einstige Feindbild konservativer Männerbünde erfreut sich heute sogar allerbester Kontakte in die – nicht nur örtliche – CDU. Und „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, immerhin Helmut-Kohl-Biograf und –Trauzeuge, soll sie angeblich sogar persönlich für eine Werbekampagne des einst von der feministischen Frontfrau bekämpften Boulevardblattes gewonnen haben. Deshalb verwunderte es nicht weiter, als im Jahr 2008 ausgerechnet der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, CDU, ihr öffentlich eine jährliche Förderung des FMT von 210.000 Euro versprach, und zwar für zehn Jahre. Zuvor hatte Schwarzer schon mit der Kölner Lokalpolitik um Unterstützung für das Archiv gerungen. Unter anderem wollte sie die Reduzierung der jährlichen Turmmiete erreichen, am liebsten auf einen einzigen symbolischen Euro anstatt der regulären 14.500. Für diesen Plan konnte sie sogar die Unterstützung des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Schramma gewinnen (ebenfalls CDU); allerdings mochte der zuständige Rat der Stadt nicht so recht mitspielen und lehnte das Ansinnen ab, allen voran die örtlichen Grünen. In der Stadt wird gemunkelt, das hätte nicht nur inhaltliche Gründe gehabt. Die Vorgeschichte reicht angeblich zurück in die Tage des FMT-Bezuges. Damals hätten die Kölner Grünen nämlich mit in den Turm ziehen wollen, doch Schwarzer habe das trickreich verhindert.

Als die nun rotgrüne Landesregierung 2011 die Kürzung der einst von Rüttgers versprochenen Förderung ankündigte, war Emanzipationsministerin Barbara Steffens (Grüne) die erste der drei beteiligten Ressortchefinnen, die zur Tat schritt. Bereits im Frühjahr ließ sie Schwarzer die Streichung der bisher 70.000 Euro aus ihrem Etat mitteilen. Auf Nachfrage wurde damals als Grund eine globale Minderausgabe von 10 Millionen angegeben, die ihr Ministerium zur Kostenreduzierung im Landesetat beitragen müsse. Dieser Vorgang wäre zwar in der Tat bedauerlich, aber im Rahmen politischen Handelns zumindest nachvollziehbar – hätte Steffens zur gleichen Zeit nicht die Frauenförderung um insgesamt sogar mehr als die Hälfte angehoben: von 15 auf 23 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund erscheinen 70.000 Euro für ein feministisches Vorzeigeprojekt im Lande beinahe bescheiden, angesichts der unbestrittenen Qualität des Archivs sogar irgendwie zwingend. Mittlerweile hat die Kürzung nach Schwarzers Worten zu einem nur noch eingeschränkten Archivbetrieb geführt. Diesen Umstand nutzt Steffens mittlerweile als Grund für den Förderungswegfall: Was mit öffentlichen Geldern gefördert werde, müsse „auch öffentlich zugänglich sein“. Von der globalen Minderausgabe ist dagegen jetzt keine Rede mehr. Die anderen beiden an der FMT-Finanzierung beteiligten Ressorts, Wissenschaft und Kultur, haben übrigens trotz ihrer inhaltlich vergleichsweise geringen Nähe zu der Kölner Institution bei der Reduzierung ihrer Fördersummen im wahren Sinne des Wortes „halblang“ gemacht: Sie überweisen weiter je 35.000 Euro an den FMT, macht zusammen 70.000 und damit nur noch ein Drittel der einst von Rüttgers bis 2017 versprochenen Summe (eine im Kern ebenfalls populistische Zusage: die Haushaltshoheit liegt beim Landtag).

Das alles ergibt irgendwie keinen richtigen Sinn und lässt die Frage aufkommen, welchen Grund das Handeln von Barbara Steffens wirklich hat: Das Minderausgabenargument soll das eigentliche Motiv ja ganz offensichtlich nur verhüllen, doch dieses Mäntelchen ist inhaltlich so dünn, dass es schon vor dem Düsseldorfer Ministerium vom leisesten Rheinuferwind fortgeweht wird – spätestens in Köln ist davon nichts mehr zu sehen. Ein persönliches Zerwürfnis gebe es zwischen ihnen auch nicht, ließen beide Frauen verbreiten. Dann aber kann es sich aber eigentlich nur noch um eine politische Strafaktion von Rotgrün gegen die prominente Aktivistin handeln. Dafür mag es vielleicht sogar gute Gründe geben, denn Alice Schwarzer ist nicht nur streitbar, sondern in ihrer Rigorosität, beispielsweise gegen Kachelmann und für die „Bild“, auch bis zur Selbstverleugnung inkonsequent; sie tut, was ihr nutzt, meist in Form von Aufmerksamkeit. Viele Sympathisanten sind ihr deshalb bereits von der Fahne gegangen; frühere Mitstreiterinnen auf dem feministischen wie politischen Parkett haben sich in den letzten Jahren zum Teil mit Grausen von ihr abgewandt. Wenn eine Landesregierung nun das zunehmende Irrlichtern einer einstigen Vorzeigefrau – und immerhin NRW-Staatspreisträgerin – nicht weiter mit Steuergeldern unterstützen möchte, ist das ihr gutes Recht. Dann sollte sie das aber sagen. Und zudem klarstellen, dass die Förderung des FMT in der Vergangenheit aus ihrer Sicht ein scharzgelber Bonus für die Person Alice Schwarzer war. Es fällt einem dazu übrigens noch ein anderes Zitat von ihr ein: „Macht korrumpiert, nicht das Geschlecht“.

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Das Volksvertreter-Paradoxon

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling aus Korschenbroich schreibt einen kruden Text über die Netzgemeinde oder das, was er dafür hält. Das „Handelsblatt“ veröffentlicht ihn und man weiß nicht, ob man sich darüber ärgern oder lachen oder weinen soll: Netzpolitiker Markus Beckedahl lacht, SZ-Online-Chef Stefan Plöchinger ärgert sich (zu recht) – und ich weine heute mal.

Erst mal ein dreifaches „Geschenkt!“: Geschenkt, dass Heveling die komplexe Thematik der Digitalisierung mit ihren Risiken und Chancen nicht mal in Ansätzen durchdrungen hat, dabei aber sehr CDU-like Begriffe aus aktuellen Diskussionen im Munde führt, die seine geballte Unkenntnis vor anderen Ahnungslosen kaschieren könnten (obwohl bereits das Zitieren eines gewissen „Jaron Lavier“ Bände spricht). Auch geschenkt, dass im „Handelsblatt“ des Jahres 2012 Texte veröffentlicht werden, die früher nur in der „Titanic“ standen – sie dummerweise aber ernst gemeint sind. Und schließlich sei geschenkt, dass dem politischen Heimatverein des digitalen Irrlichts, der Christlich Demokratischen Union Deutschlands, in Person ihres Parlamentarischen Geschäftsführers Peter Altmaier dazu offenbar nur einfällt, die Meinungsfreiheit zu bemühen.

Letzteres führt allerdings ganz unmittelbar zum eigentlichen Problem: Der mangelnden intellektuellen Klasse in der deutschen Legislative. Ansgar Heveling mag zwar ein Hinterbänkler sein, doch auch er gehört zu den 620 gewählten Volksvertretern, die nicht nur ein schickes Büro, einen Mitarbeiter und ein Zweitleben in der für viele merklich zu großen deutschen Hauptstadt haben, sondern auch direkt für die laufende Gesetzgebung verantwortlich sind. Dazu zählen neben Entscheidungen über Milliarden für undurchsichtige Rettungsschirme, zweifelhafte Gemeindefinanzierungsregeln und eine halbgare Energiewende auch die öffentlich etwas weniger spektakulären Themen Urheberrecht, Netzneutralität oder Zugangssperren. Das ist im Falle des digitalen Konterrevolutionskarnevalisten Ansgar Heveling allerdings besonders gravierend, weil er zu den 17 Bundestagsabgeordneten in der „Enquête-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft“ gehört. Die erarbeiten, zusammen mit 17 externen Fachleuten, seit zwei Jahren die Grundlagen der künftigen deutschen Digital- und Netzpolitik; Heveling ist dabei einer der sechs ausgewiesenen Fachmänner seiner Fraktion zum Thema. Da kann man sich, statt zu weinen oder zu lachen, nicht mehr nur ärgern, sondern nur noch gruseln.

Der Sinn einer Volksvertretung besteht in der Demokratie darin, die Bevölkerung im obersten Organ der Gesetzgebung abzubilden und so an ihr mitwirken zu lassen. Wohin einen dieser Ansatz in Zeiten entwerteter Schulabschlüsse und überfüllter Studiengänge selbst mit graduierten Akademikern bringt, lässt sich am Beispiel Heveling gut ablesen. Nicht nur für ihn gilt deshalb das Nuhrsche Diktum: „Wenn man keine Ahnung hat – einfach mal Fresse halten!“

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