Drei Kurze: Kulturgutschutzgesetznovellenreferentenentwurf … und noch zwei

Nicht mal zwei Monate später als angekündigt (in diesem Statement vom Juli recht weit unten nachzulesen) veröffentlicht Kulturstaatsministerin Grütters ihr neues Wortungeheuer: Den Kulturgutschutzgesetznovellenreferentenentwurf. Ob das der Diskussion jetzt endlich die fehlende Sachlichkeit verschafft, ist mindestens zweifelhaft. Die für mich schönste Wendung der letzten Wochen ist die, dass die Galerist*innen sich in der jüngsten Verbandserklärung zum Anwalt der Künstler*innen erklären, deren Verbände sich wiederum allerdings schon länger heftigst gegen diese Vereinnahmung verwahren. It’s all about the money …
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Wenn Kulturpolitik wirklich Gesellschaftspolitik ist (oder wenigstens sein soll), dann muss sie sich dieser Frage stellen: Wer nimmt warum nicht an demokratischen Prozessen teil? Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung ordnet den „typischen Nichtwähler“ sozial schwachen Milieus zu. An der Oberbürgermeisterwahl in meiner Heimatstadt Wuppertal am vergangenen Sonntag haben sich beispielsweise nur 36 Prozent der Wahlberechtigen beteiligt. Sagt diese Zahl nun mehr über Wuppertal, über die Bertelsmann-Stiftung oder darüber, dass auch „die Kultur“ – von Lyrik bis Popmusik – als größter Kommunikator der Gesellschaft nicht in der Lage ist, die Notwendigkeit zur Beteiligung an der res publica zu vermitteln?
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Im Düsseldorfer Schauspielhaus ist schon lange der Wurm drin – in doppelter Hinsicht: Die Besetzung des Intendantenpostens ist schon seit zehn Jahren nicht mehr gut gelungen, und mindestens so marode wie seine inhaltliche Idee (meint ausdrücklich nicht: das künstlerische Potential der Akteure) ist das Gebäude am Gustaf-Gründgens-Platz selbst. Aber Hauptstadt- wie Landesverwaltung sind mit der nachhaltigen Sanierung von (Kultur-)Bausubstanz nicht nur in diesem Fall offenbar überfordert und machen auch hier wieder alles falsch. Böse Zungen behaupten, das sei ein Kölner Virus. Stimmt natürlich nicht: Hamburg (Elbphilharmonie), München (Gasteig), Berlin (Staatsoper, Kulturforum) … Der nächste Intendant kommt 2016 übrigens aus Dresden angereist. Vielmehr: Soll angereist kommen. Stadt und Land hatten ihm nämlich – vertraglich – zugesichert, dass die Schauspielhaus-Sanierung im Herbst 2016 fertig ist. Aber was kümmert mich …
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Foto: (c) Bundesregierung/Kugler
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Drei Kurze: Bauhaus-Eile, Faust-Flut, Mitarbeiter-Schulung

  • Im Ernst? Bauhaus-Museum soll nach zwei Jahren fertig sein
  • Drei Fäuste für NRW? Gelsenkirchen und Düsseldorf nominiert
  • Modell Oxford? Elite-Uni sucht lernwillge Führungskräfte in Kulturbetrieben
Natürlich ist einem die künstlerische Hybris von Walter Gropius und Co. (zumindest aus der zeitlichen Distanz) gar nicht unsympathisch. Aber man muss es doch nicht gleich karikieren: Bauhaus-Chefin Claudia Perren und Dessaus Oberbürgermeister Thomas Kuras behaupten allen Ernstes, das neue Museum werde zum 100-jährigen Jubiläum des Bauhaus in 2019 fertig sein. Bloß: Nach Jahre langem Streit um den Bauplatz (im Stadtpark, Kilometer entfernt von den historischen Bauhaus-Gebäuden) wurden in dieser Woche zwar endlich zwei Sieger-Entwürfe für das Gebäude präsentiert – aber auch damit ist immer noch nicht entschieden, ob überhaupt einer von diesen beiden realisiert wird und welcher. Nur der Baustart ist schon mal für Ende 2016/Anfang 2017 angekündigt. 24 Monate zur Fertigstellung … natürlich“ (Ironiemodus: AUS!)
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Köln, Bochum, Castrop-Rauxel? Von wegen: Das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier ist in diesem Jahr für den nationalen Theaterpreis „Faust“ nominiert – und zwar gleich zwei Mal: Kusha Alexi für ihre (tänzerische) Darstellung der und Bridget Breiner für die Choreografie des Balletts „Charlotte Salomon“ (Wiederaufnahme: 18. Oktober). Mit der Sängerin Elena Sancho Pereg hat die Düsseldorfer „Oper am Rhein“ zudem eine weitere Chance, am 14. November in Saarbrücken eine Trophäe nach NRW zu holen. Oder zwei? DREI?
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In Oxford schließlich macht man was ganz Cooles: Gemeinsame Fortbildungen für Führungskräfte im Kulturbetrieb. So Sachen mit Wissenstransfer und so. Irre, oder?
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Foto: (c) der kulturpolitische reporter / Peter Grabowski
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Drei Kurze: Kulturinteresse anerzogen, Kulturgroschen vergeben, Archiv angekündigt

Alarm: Eltern geben ihr Kulturinteresse an Kinder weiter. Also wenn sie eins haben. Wie bitte, das wundert Sie nicht? Schämen Sie sich – das ist ein Skandal! Findet jedenfalls der Rat für Kulturelle Bildung offenbar irgendwie, wie man der zugehörigen Pressemitteilung ziemlich deutlich anmerkt. Von „aufrüttelnden Ergebnissen“ ist da die Rede, allerdings … man weiß bei genauerer Durchsicht der zugehörigen Allensbach-Studie nicht so recht, was jetzt genau das Problem des ehrenwerten Gremiums ist. Die Untersuchung hat nämlich eigentlich nur ergeben, dass Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse aus Akademikerhaushalten mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Interesse an Kunst und Kultur haben als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aus bildungsferneren Milieus. Ach was …
Und dass drei Viertel dieser Akademikerkinder dann auch ihre Eltern als Impulsgeber für ihr kulturelles Interesse angeben. Nein, wirklich? Das wäre nun sogar ein wirklich interessanter Untersuchungsansatz für verhaltensorientierte Kultursoziologen: „Zur Differenz von Selbsteinschätzung und tatsächlichen Motiven“ …
Übrigens hat die Untersuchung auch ergeben, dass 70 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler sich sehr (19%) oder etwas (51%) für „Kultur“ interessieren, und damit ausdrücklich nicht „Popmusik“ oder „Filme“ meinen. Mir kommt das mit Blick auf die aktuellen Kulturnutzerzahlen im höheren Alter ziemlich viel vor … Was war jetzt noch mal genau der Skandal?

(Die Veröffentlichung dieser lang angekündigten Allensbach-Studie im Auftrag des Rates für Kulturelle Bildung haben beide Institutionen übrigens als echtes PR-Meisterstück inszeniert und ganz cool mitten in die Sommerferien gelegt. Klar, bei so ’nem Knallerthema muss man natürlich die nachrichtenarme Zeit der Hochtemperaturphase nutzen, um mit seiner Botschaft durchzudringen. Zumal das pädagogische Gewerbe im Sommer ja traditionell auf vollen Touren … aber lassen wir das.)
Foto: (c) der kulturpolitische reporter
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