Zur Kenntnis …

USA – Art’s own Country?! In einer neuen Untersuchung hat angeblich fast ein Fünftel der Amerikaner sagen können, wer „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ gemalt hat (eigentlich: „Meisje met de parel“). Ich glaub‘ kein Wort davon. Ich würde vielmehr wetten, dass sogar unter den Leser*innen dieser Kolumne – naturgemäß eine kulturell überdurchschnittlich interessierte Klientel – nicht mal jede*r Zehnte beim puren Anblick des Bildes spontan sagt: „Oh, das ist doch von … !“ Ja, genau der.
Tun Sie mir doch bitte einen Gefallen: Schreiben Sie mir zurück, ob Sie nachgucken mussten/müssten, wer der Maler war! Ich musste jedenfalls.
Und sonst:
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Foto: (c) Creative Commons/Mautitshuis
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Zur Kenntnis …

Martin Schulz wird Kanzlerkandidat und SPD-Vorsitzender. Das ist für die Kultur(politik) in Deutschland so oder so ein gewichtiger Gewinn, denn der Mann hat den berühmten Stallgeruch. In seinem Fall in doppelter Hinsicht: Zur unterklassigen Herkunft umweht ihn auch der einzigartige Odem bedruckten und gebundenen Papiers, jüngst ergänzt um eine substantielle – wenn auch nicht unumstrittene – Initiative für eine Europäische Digitalcharta. Das ist mehr, als der frühere Popbeauftragte der Spezialdemokraten selbst mit Dieter Gornys Hilfe vermutlich in vielen Jahren zustande gebracht hätte.
Während die Sozis diese Woche also ausnahmsweise mal punkten, macht die Kulturstaatsministerin aus dem anderen politischen Lager einen ihrer seltenen Fehler. Ich sach‘ nur: Wippe reloaded – und bin gespannt, welcher Blödsinn da am Ende rauskommt (Sasha Waltz zum Beispiel könnte, statt sich mit dem Staatsballett rumzuärgern, als lebende Wolfgang-Thierse-Statue verkleidet gegenüber vom Völkerschlachtdenkmal posieren. Da wär‘ dann echt alles drin: Leipzig, Freiheit, Einheit, Gender, Ost, West … irre. Ist natürlich nur so ’ne Idee). Übrigens tagt der Kulturausschuss dazu heute mal wieder nicht-öffentlich, weil die Union das so will. Seltsames Demokratieverständnis. Sehr, sehr seltsam.
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Und sonst:
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Foto: (c) Peter Grabowski
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Zur Kenntnis … 2017

Auf diesem Wege allen Leser*innen alles Gute zum Neuen Jahr! Und es fängt gleich gut an: Die Elbphilharmonie wird nämlich tatsächlich eröffnet. Das macht nicht nur den Berliner*innen Hoffnung für … nee, nicht für den Flughafen, aber fürs Humboldt Forum. Und auch uns hier in NRW für die Dauerbaustellen mancher Theater und Museen in Düsseldorf, Köln oder Duisburg.

Apropos Dauerbaustelle: Der kulturpolitische Running Gag der rot-grünen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen ist der sogenannte Theaterpakt. Seit sage und schreibe SECHS Jahren jagen sich die Ankündigungen dazu quasi gegenseitig übern Hof, nur … tatsächlich passiert ist bislang nicht mehr als am allerallerersten Tag dieser womöglich in eine ferne Unendlichkeit ausfransenden Geschichte bekannt wurde: Am 25. Januar 2011 hatte die damalige Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) erklärt, NRW werde die Förderung der kommunalen Theater (mit eigenem Ensemble) um 4,5 Millionen Euro jährlich erhöhen. Die gab es dann auch. Von den bis zu 17 angekündigten Einzelpakten mit diesen Städtischen Bühnen im Land ist seitdem aber nur genau einer (1!) unterzeichnet worden: Mit dem Gemeinschaftstheater Krefeld/Mönchengladbach. Das war im August 2015 (nach VIEREINHALB Jahren). Da drin steht allerdings auch nicht mehr, als dass beide Städte und das Land ihre Zuschüsse bis 2020 stabil halten.

Schäfers Nachfolgerin im Kulturministerium, Christina Kampmann (SPD), hat nun aber sogar einen neuen, zweiten Pakt auf Landesebene angekündigt (in ihrer Bielefelder Heimatzeitung). Bemerkenswert: Just am Tag zuvor hatte der Präsident des NRW-Städtetages Pit Clausen (auch SPD, auch Bielefeld) mehr Unterstützung der kommunalen Bühnen aus der Landeskasse gefordert. Im NRW-Etat für 2017 und auch in der Mittelfristigen Finanzplanung bis 2020 findet sich – bislang jedenfalls – allerdings gar kein irgendwie frei volatierendes Millionenpaket zur besonderen Verwendung, zum Beispiel für einen Theaterpakt. Eher im Gegenteil, mit Blick auf die Schuldenbremse ab 2020. Auch im gerade erst verabschiedeten ersten Kulturförderplan für NRW wird ein zweiter Theaterpakt mit keinem Wort erwähnt. Und was nach der Landtagswahl im kommenden Mai wird, weiß – jetzt jedenfalls – sowieso niemand. Entsprechend überrascht waren viele von Kampmanns Vorstoß … und von der ungewöhnlichen zeitlichen (zwischen den Jahren) und räumlichen (Bielefeld/Bielefeld) Koinzidenz. Andererseits: Ist Weihnachten nicht auch immer wieder ein pures Wunder?

Was sonst noch kulturpolitisch zuletzt (nicht) passierte, aber erwähnt sein sollte:

 

Foto: Krefelds früherer OB Gregor Kathstede, die damalige NRW-Kulturministerin Ute Schäfer und Mönchengladbachs OB Hans Wilhelm Reiners am 13. August 2015
(c) Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport

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