Zur Kenntnis … am 10. März

Die Wahlkampfmaschine in NRW läuft an (Wahltag: 14. Mai). SPD-Kulturministerin Christina Kampmann zieht seit vergangener Woche übers Land und unterzeichnet öffentlichkeitswirksam Fördervereinbarungen für kommunale Bühnen. Gelsenkirchen, Köln und Bonn machten den Anfang, weitere sollen folgen.
Den sehr geschickt formulierten Pressemitteilungen dazu sieht man erst mal nicht an, dass die zugehörigen Gelder bereits seit sechs Jahren ganz zuverlässig aus der Landeskasse fließen. Macht sich aber natürlich gut, so ein lokaler „Theaterpakt“, bei dem in sechs- oder sogar siebenstelliger Höhe mit dem ach so knappen Euro im Kulturraum rumgewedelt wird. Zumal in vielen Berichten wie diesem mit keinem Wort erwähnt ist, dass hier nur alter Wein in neue Schläuche fließt.
In dieser Situation demonstrativer Heißluftblaserei will natürlich auch die CDU-Opposition nicht hintanstehen. Sie hat im Landtag noch schnell einen Antrag zur kräftigen Wieder-Aufstockung der Denkmalförderung gestellt (hier als PDF). Ebenfalls ein guter PR-Trick, denn: Über solche Anträge wird wegen Verfahrenseinigung, Expertenanhörung, fraktionsinterner Meinungsbildung usw. üblicherweise erst nach frühestens einem halben Jahr entschieden. Leider findet die letzte Sitzung des gegenwärtigen Landesparlaments aber bereits Anfang April statt – und mit ihr endet automatisch JEDER Vorgang einer Legislaturperiode. Doch selbst wenn dieser Antrag noch abgestimmt werden sollte, hätte er keine Konsequenzen für eine neue Regierung nach dem 14. Mai – es bleibt also bei purer Symbolik. Das weiß natürlich niemand besser als die Christdemokraten selbst, aber … bei den Tausenden von Denkmalseignern und vielleicht noch mehr ehrenamtlichen Denkmalschützern im Land kommt so ein Vorstoß kurz vor der Wahl bestimmt gut an. Und nur das zählt jetzt – oder besser: Es zählt womöglich am Wahlabend.
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Und sonst …
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Zur Kenntnis … am 3. März

In der vergangenen Woche konnten wir wieder ein Paradestück der selbstspiralisierenden Reflektionsschleife erleben: In Berlin wurde eine Oper uraufgeführt. Eine namhafte Kritikerin fand das Singspiel „jämmerlich“ und mokierte sich über das schwule Produktionsteam. Die Wogen schlugen natürlich sofort hoch, hektisches Gerangel im Echtzeit-Medium Internet (Kritik nicht online, nachtkritik hilft). Schon am nächsten Tag schrieb der neue Bühnenvereinspräsident aus dem Berliner Nachbartheater einen Offenen Brief.
Erst wurde das Stück kritisiert, dann sofort die Kritik daran, schon fast im gleichen Moment aber die Kritik an der Kritik, daraufhin die Form der Kritik, danach die Form der Kritik an der Kritik, unmittelbar darauf endlich der ganze Diskurs und überhaupt … nach wenigen Stunden war die mindestens fünfte Meta-Ebene erreicht, nichts wurde mehr auseinandergehalten, dafür waren alle sehr aufgeregt. Der nicht ganz unerhebliche Hinweis, dass die schwulen Opernmacher selbst ihre Sexualität mehrfach als expliziten Teil der eigenen Expertise für den Stoff („Edward II.“, offen schwuler englischer König im 13. Jahrhundert) thematisiert hatten, ging in dem ganzen Trara folgerichtig völlig unter.
Manchmal wünsche ich mich in eine Zeitmaschine, um in eine Epoche vorauszureisen, in der unsere emotionalen Fähigkeiten mit den rationalen wieder im Einklang sind. Brecht hatte ja mal vorgeschlagen, die Politiker mögen sich einfach ein neues Volk wählen. Je älter ich werde, desto häufiger denke ich: Guter Gedanke, eigentlich!
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Und sonst:
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Foto: (c) der kulturpolitische reporter/Peter Grabowski
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Zur Kenntnis … am 22. Februar

Will man das wirklich, eine Ausstellung „Entartete Kunst“, im Jahr 2017? Ich frage das nicht rhetorisch, ich habe selbst noch keine Antwort gefunden. Jedenfalls soll es eine geben, mit Stücken aus dem „Schwabinger Kunstfund“ des Galeristen-Erben Cornelius Gurlitt. Gezeigt wird sie zunächst in Bern; das dortige Kunstmuseum hat bekanntlich das Gurlitt-Konvolut geerbt. Parallel dazu wird die Bundeskunsthalle in Bonn aus dem gleichen Fundus schöpfen und Kunst zeigen, die von den Nazis enteignet und/oder geraubt wurde. Anschließend ziehen die Ausstellungen weiter, auch nach Berlin. Es lohnt sich, darüber ganz grundsätzlich nachzudenken. Man kommt zu hochinteressanten Fragen. 

Und sonst:


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