Die dusseligste Kultur-Pressemitteilung des Jahres kommt aus dem Statistischen Bundesamt. Tenor: Ein irgendwie haargenau Luftlinie ziemlich großer Teil des Kulturellen Erbes wird von einer willkürlich ermittelten Zahl von Einrichtungen in Deutschland verwahrt.

Bei den angesprochenen Archiven haben sie allerdings die mengenmäßig größte Gruppe – die Stadtarchive – lieber einfach mal weggelassen; für die Tausenden von kirchlichen Bibliotheken fühlt man sich wahrscheinlich ebenfalls nicht zuständig. Und bei den ganz stolz erwähnten Museumsbesuchern ist leider ein überholter Wert (für 2015) angegeben. Woher sollten die obersten Statistiker der Republik in Wiesbaden auch wissen, dass der Museumsbund wie in jedem Jahr zwei Wochen vor Weihnachten die aktuelle Zahl (für 2016) veröffentlichen würde.

Da hatte die Presseabteilung im Bundesamt ihre Meldung doch vermutlich schon längst geschrieben – und der rückläufige Trend hätte eh nicht ins Bild gepasst. Herrjeh …

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Zur Kenntnis … am 8. Dezember

Wirklich keinen guten Lauf in Sachen Kulturpolitik hat der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel: Erst verärgerte er „nur“ die vergleichsweise kleine Schar der Kenner und Freunde der städtischen Spezialmuseen, als er nach mehr Koordination, Effizienz und – Buzzword im Kultursektor – schließlich auch möglichen Synergien fragte. Danach ritt ihn eine schon etwas größere PR-Hexe bei der Sanierung des Schauspielhauses. Zwar ging sein Plan, die lokale Politik – und hier vor allem die renitente FDP in der Rathauskoalition – zu einem uneingeschränkten Bekenntnis zum denkmalgeschützten Bau und dessen Standort zu zwingen, auf. Er hatte dabei aber viel zu unvorsichtig die nächsten bösen Worte in den Mund genommen: Abriss, Umzug, Investor. Merke: Der – gute – Zweck heiligt längst nicht alle Mittel, wenn man auf lange Sicht die Zustimmung der Meinungsmacher braucht.

Jetzt also die Absage einer lange geplanten Ausstellung über den Düsseldorfer Kunsthändler Max Stern, der vor den Nazis nach Kanada geflohen war. Der Platz hier reicht leider nicht aus, um die Geschichte dieses Kommunikationsdesasters auch nur einigermaßen sauber wiederzugeben. Jedenfalls hat Thomas Geisel wieder alles falsch gemacht – wenn man der öffentlichen Meinung traut.

Interessant daran ist, dass selbst erfahrenste Kenner des hochkomplexen Themas „Restitution“ und „Provenienzforschung“ offenbar kaum stutzig werden, wenn wirklich alle Kritiker der jetzt erfolgten Absage auf diese oder jene Art zur selben Seite in diesen schwierigen Prozessen gehören. Ob nun die Jüdische  Gemeinde in Düsseldorf oder der Präsident des Jewish World Congress, Ronald Lauder; ob die drei Universitäten, die das Erbe Sterns verwalten – und weiter Rückgabeansprüche an deutsche Museen stellen – oder die Kulturstaatsministerin, die ihre peinliche Gurlitt-Scharte nur unter großen Mühen zuletzt bei Lauder auswetzen konnte: Alle haben sehr persönliche Motive, die Absage lautstark zu kritisieren.

Nun hat NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) dem Oberbürgermeister (SPD) einen Weg aus dem Dilemma aufgezeigt: Sie schlägt vor, das von der Stadt bereits angekündigte Symposium zur Geschichte Sterns und seiner Bilder als Ausgangspunkt für einen neuen Ausstellungsanlauf zu nehmen. Später. Mit mehr Sorgfalt.

Ausgerechnet Pfeiffer-Poensgen, denn sie und Geisel hatten dem Vernehmen nach keinen so guten Start. Die resolute Kulturfrau soll dem OB gleich beim ersten Aufeinandertreffen im Herbst gründlich die Leviten in Sachen Schauspielhaus (s. oben) gelesen haben. Das betreiben die Stadt Düsseldorf und das Land NRW gemeinsam. Manchmal jedoch erwächst aus solchen Konfrontationen ja noch etwas Großes. Ist auch eh gerade eine besinnliche Zeit …

… und sonst:

 

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Zur Kenntnis … am 16. November

In Berlin wird sondiert. Die Kulturpolitik ist naturgemäß keins der wichtigsten Themen, aber auch Gegenstand einer Arbeitsgruppe (passenderweise zusammen mit „Kommunen“). An der nimmt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet übrigens für die Union als Berichterstatter teil. In den kursierenden Papieren dazu finden sich viele Selbstverständlichkeiten wie ein „modernes Urheberrecht“, die „soziale Absicherung“ von Künstlern und natürlich „die Digitalisierung“. Das Kulturgutschutzgesetz soll in möglichen Koalitionsverhandlungen zwar noch mal Thema sein, allerdings gilt die Kanzlerin in der Sache als wenig konziliant (und weiterhin verärgert über die Kampagne des Kunsthandels).

Es findet sich auch Unerwartetes: So soll die Bundeskulturförderung nach dem Willen einiger Verhandlungspartner „transparenter“ werden, die einzelnen Entscheidungen „nachvollziehbarer“ (das wird die Union jetzt nicht soooo doll wollen). Und die Baukultur will man offenbar stärken – durch die existierende Stiftung wie die geplante Akademie, aber auch durch ein Investitionsprogramm in die deutschen Welterbestätten

Letzteres klingt besonders realisierungstauglich: Auf diesem Wege könnten nämlich nicht nur die Kulturpolitiker, sondern auch die Haushälter aus der ganzen Republik zuhause sichtbare Erfolge ihrer Arbeit nachweisen; wenn nicht in ihrem Wahlkreis, dann doch zumindest in ihrem Bundesland. Und da, in den Ländern, werden auch für die Wahl zum nächsten Deutschen Bundestag in vier Jahren wieder Parteien Kandidaten aufstellen und vor allem Listenplätze vergeben. Warum nicht bei der Pflege der Vergangenheit auch gleich noch ein bisschen an morgen denken …

… und sonst:

 

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