Eine „Agenda für Kultur und Zukunft“ haben die Großkoalitionäre von Union und SPD bereits in ihrem Sondierungspapier vor drei Wochen vereinbart. Seit Montag ringen sie nun um die konkreten Inhalte dieses Programms; gestern Abend war das Kapitel erstmals Thema in der sogenannten „Großen Runde“ der Berliner Koalitionsverhandlungen. Man habe „sich tief in die Augen gesehen“, sagten die Emissäre beider Seiten vorher unisono – und dann aber auch wirklich absolute Verschwiegenheit zu vereinbart.
Ob es am klärenden Blick in die Abgründe des jeweils anderen lag oder bloß eine weise Entscheidung ist, das am Ende vielleicht doch arg spärliche Pulver des Agendafasses nicht frühzeitig in den feuchten Februar zu blasen? Wer weiß. Allzu unbändige Vorfreude auf einen großen Coup verbreiten jedenfalls diese wie jene nicht. Mehr Geld soll es aber ganz sicher geben, vielleicht sogar viel mehr.
Wir ahnen, dass dahinter mal wieder der Ur-Konflikt der bundesdeutschen Kulturpolitik tobt: Die einen verteilen die staatliche Gunst gern nach Gusto und politischer Opportunität; die anderen hätten’s lieber systematisch und planbar, aber auch immer als Teil eines gesellschaftspolitischen Werkzeugkastens. Für die im föderalen Staat unerlässliche Restbefriedigung der Landsmannschaften sorgen dann später die Haushälter. Weshalb die das Kuchenförmchen der Kulturpolitiker immer erst mal von vornherein kleiner denken – und dann über Schokoguss mit Sahne druff später besser selbst entscheiden. Wir werden sehen, in ein paar Tagen …
… und sonst:
- „The Creator has a Masterplan“ (Pharaoh Sanders): Nürnberg beschließt kommunal Langfriststrategie mit Blick auf die Kulturhauptstadtbewerbung
- Prima inter 18: Die SPD-Abgeordnete Katrin Budde leitet den Ausschuss für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag
- Vorläufige Versicherung: Die Finanzierung des Europäischen Jugendorchesters steht zumindest bis 2020
- Greifswalder Manifest: Die Dramaturgische Gesellschaft will sich gegen die Bedrohung der künstlerischen Freiheit wehren – international
- Decolonize SPK: Stiftungspräsident Hermann Parzinger macht einen Vorschlag für die Zukunft ethnologischer Sammlungen mit belasteter Herkunft (Gastbeitrag in der F.A.Z. hinter Paywall, bei SPK online in Auszügen)
- #metoo@art: Die National Gallery in Washington verschiebt Ausstellungen von Chuck Close und Thomas Roma wegen Vorwürfen des „sexuellen Fehlverhaltens“
- Reparatour: Düsseldorfs OB Thomas Geisel fliegt zur Schadensbegrenzung über’n Atlantik
- Der Große Wurf? Berliner Studenten entwerfen mit Szenografie-Altmeister Kilger Visionen für das sanierte Preußenmuseum in Minden
- Kasseler Crowdfunding: Die Stadt will 600.000 Euro für Oguibes documenta-Obelisken sammeln
- „Interessante Idee„: Die Sozialdemokraten finden ein Bundeskulturministerium jetzt auch irgendwie gut
- Topf voll Gold: Das Guggenheim bietet dem Weißen Haus Cattelans Gold-Klo „America“ – statt des erbetenen van Gogh-Gemäldes
- „Läuft“ offenbar: Düsseldorfs Bürger-Initiative „Schauspielhaus 2020“ meldet gute Fortschritte auf dem Weg zum Sechs-Millionen-Euro-Anteil
- Von wegen Brüsseler Hinterzimmer: EU-Kommission startet öffentliche Konsultationen zu ihrer künftigen Kulturförderung
- Weibliche Domäne: Mit Franzisca Zólyom kuratiert auch 2019 wieder eine Frau den deutschen Biennale-Pavillon
- Wir in NRW (sind wer): Düsseldorfer Landtag beschließt Planungsgruppe für ein Haus der Geschichte
- Sehr cool: Das Europäische Museums-Netzwerk NEMO bietet EU-Politikern Praktika an
- Zwei Jahre Haft: Südkoreas Ex-Kulturministerin wegen schwarzer Liste von regierungskritischen Künstlern verurteilt
- Bilder und Taten: Die „Projektschmiede“ veranstaltet noch im Februar ein Symposium mit Sieverding, Weski und anderen zu ihrem Vorschlag für ein Fotozentrum Düsseldorf
Zum guten Schluss noch mein absoluter Lieblingssatz der vergangenen Woche. Er stammt aus einem Gastbeitrag der – auch sonst sehr klugen – Historikerin Hedwig Richter auf sueddeutsche.de. Sie schreibt darin, Donald Trump zeige, dass für einen Teil der Menschheit Herrschaft nach wie vor durch brutale Manneskraft legitimiert werde. Danach heißt es weiter:
„Und doch wirkt der Staatschef schon rein habituell wie der letzte Witz der obsoleten Männlichkeit. Seine Präsidentschaft zieht an den bestürzten Augen der Welt vorbei wie ein Fastnachtsumzug mit platinblondem Narrensaum und Männern in grotesken Masken des Bösen. Nichts könnte besser das Ende des männlichen Zeitalters vor Augen führen.“ #word