Zur Kenntnis … am 19. Juni

Die Wahl der langjährigen Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) zur Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) vor zehn Tagen war hochumstritten. Sieben namhafte Mitglieder des Gremiums – unter anderem zwei frühere Vorsitzende – sprachen in einem Brief sogar von „regierungsamtlicher Übernahme“ der zivilgesellschaftlichen Organisation. Dem Auswärtigen Amt warfen sie vor, die DUK in einen „Granatenkonflikt“ zu stürzen. Es handelt sich bei der hiesigen um eine der wenigen nicht-staatlichen nationalen UNESCO-Kommissionen, auch wenn sie maßgeblich vom Außenamt finanziert wird.

Zum Hintergrund der aktuellen Auseinandersetzungen gehört, dass Böhmer 2017 in ihrer vorherigen Funktion als Staatsministerin im Außenamt nicht die Wiederwahl Deutschlands in den Exekutivrat der UNESCO organisieren konnte. Besonders peinlich: In der entscheidenden Generalversammlung hatte neben Finnland und Portugal sogar die nicht gerade für ihre Achtung der Kunstfreiheit bekannte Türkei deutlich mehr Stimmen erhalten als die Bundesrepublik und war so in das wichtigste operative UNESCO-Gremium eingezogen. Trotzdem entschied sich das Nominierungskomitee der DUK bereits unmittelbar nach dieser kulturpolitischen Pleite für Böhmer als nächste DUK-Präsidentin. Seltsam, eigentlich: Die bisherige Amtsinhaberin Verena Metze-Mangold gilt zwar als mitunter kapriziös, aber nach mehr als zwei Jahrzehnten in UNESCO-Ämtern auch als national wie international bestens vernetzte und einflussreiche Funktionärin …

… und sonst:

Zum traurigen Schluss soll noch das Ableben von Hermann Glaser (1928 – 2018) erwähnt werden. Innerhalb von nur zwei Wochen sind mit ihm und Hilmar Hoffmann zwei zentrale Figuren der Neuen Kulturpolitik verstorben. Die Bundesrepublik verdankt beiden ganz wesentlich ihre kulturelle Vielfalt und Offenheit der Gegenwart. Dafür haben Hoffmann und Glaser – zusammen, manchmal sogar zeitgleich mit Leuten wie Alfons Spielhoff oder Olaf Schwencke – vor über 60 Jahren die Fundamente zu legen begonnen. Wir alle stehen auf ihren Schultern. Ich verneige mich!

 

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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