Zur Kenntnis … am Ende von 2017

Ganz famose Bilanzthemen wären in diesem Jahr zum Beispiel das zehnjährige Jubiläum des Abschlussberichtes der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ (hier noch mal). Oder auch „Nutzen und Schaden von zehn Jahren Reformationsdauerbeschallung“. Man könnte trefflich über die Dramen deutscher Opernsanierungen am Beispiel Köln, Frankfurt und Berlin räsonieren oder über den nächsten heißen Scheiß der kulturpolitischen Szene: Nach den Trendthemen Kulturelle Bildung und Interkultur ist jetzt nämlich die „Kultur im Ländlichen Raum“ in aller Munde. Das thematisieren die genretypischen Rückschauen dieser Dezembertage jedenfalls; ich erzähle stattdessen nur eine kleine Geschichte, die aber auch irgendwie zur Jahreszeit passt.

Zwei Männer vom Niederrhein wollen die traditionellen Martins-Umzüge der Region bei der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit eintragen lassen. Im Oktober haben sie einen entsprechenden Antrag beim nordrhein-westfälischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft in Düsseldorf eingereicht, als Auftakt der formalen Prozedur.

Derlei fällt bei der CDU naturgemäß auf fruchtbaren Boden, von wegen Kernthemen: Heimat, Tradition und auch noch christliche Werte – drei auf einen Streich, sozusagen. Also musste rubbeldiekatz noch ganz schnell vor Weihnachten ein Antrag in die letzte Parlamentssitzung des Jahres eingebracht werden, auf dass der nordrhein-westfälische Landtag das Bestreben der Martins-Freunde künftig nach Kräften unterstütze. Die FDP hatte dem Vernehmen nach zwar ein paar kritische Anmerkungen, aber herrjeh – wo’s der Union doch so wichtig war …

Blöd bloß, dass keiner der Christdemokraten mal so richtig mit den Initiatoren selbst gesprochen hatte; es gab offenbar nur zwei tweetähnlich kurze Mails des CDU-Abgeordneten Optendrenk in der Sache. Und so landete in der vergangenen Woche eine schriftliche Beschwerde beim ebenfalls christdemokratischen Parlamentspräsidenten André Kuper: Der Antrag von CDU und FDP stecke erstens voller inhaltlicher Fehler. Zweitens habe man die ganze Initiative von Anfang an bewusst überparteilich gehalten, und sie möge auch künftig von niemandem vereinnahmt werden – das habe man dem Abgeordneten Optendrenk bereits im September unmissverständlich mitgeteilt.

Am Mittwoch wurde der Antrag dann ebenso überfallartig wieder zurückgezogen wie er gestellt worden war; kurz vor knapp ließen die Regierungsfraktionen ihn von der Tagesordnung der Plenarsitzung nehmen (wo er übrigens ganz ohne die sonst übliche Ausschussberatung gleich beschlossen werden sollte). Nun ist ein gemeinsames Vorgehen von mindestens vier Landtagsfraktionen im Neuen Jahr geplant. Das bietet sich schon deshalb an, weil die beiden Initiatoren aus Kempen und Brüggen selbst den Grünen angehören bzw. ihnen nahestehen.

Vielleicht wird auf diesem Wege aus der verpatzten Welterbe-Bescherung der NRW-CDU ja noch eine humanistische Initiative über alle Weltanschauungsgrenzen hinweg. Zur Martins-Botschaft, wenn wir sie richtig verstanden haben, würde das auch irgendwie besser passen.

Und sonst …

Bis zum Ende gelesen? Danke!
der kulturpolitische reporter meldet sich bei Ihnen und den seit heute exakt 2999 anderen Abonnenten dieses kleinen Blogs wieder in 2018. Ich wünsche und verspreche Ihnen auch für das neue Jahr Aufmerksamkeit, Anregung und Widerspruch – kommen Sie gut rüber!

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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