Zur Kenntnis … am 8. Dezember

Wirklich keinen guten Lauf in Sachen Kulturpolitik hat der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel: Erst verärgerte er „nur“ die vergleichsweise kleine Schar der Kenner und Freunde der städtischen Spezialmuseen, als er nach mehr Koordination, Effizienz und – Buzzword im Kultursektor – schließlich auch möglichen Synergien fragte. Danach ritt ihn eine schon etwas größere PR-Hexe bei der Sanierung des Schauspielhauses. Zwar ging sein Plan, die lokale Politik – und hier vor allem die renitente FDP in der Rathauskoalition – zu einem uneingeschränkten Bekenntnis zum denkmalgeschützten Bau und dessen Standort zu zwingen, auf. Er hatte dabei aber viel zu unvorsichtig die nächsten bösen Worte in den Mund genommen: Abriss, Umzug, Investor. Merke: Der – gute – Zweck heiligt längst nicht alle Mittel, wenn man auf lange Sicht die Zustimmung der Meinungsmacher braucht.

Jetzt also die Absage einer lange geplanten Ausstellung über den Düsseldorfer Kunsthändler Max Stern, der vor den Nazis nach Kanada geflohen war. Der Platz hier reicht leider nicht aus, um die Geschichte dieses Kommunikationsdesasters auch nur einigermaßen sauber wiederzugeben. Jedenfalls hat Thomas Geisel wieder alles falsch gemacht – wenn man der öffentlichen Meinung traut.

Interessant daran ist, dass selbst erfahrenste Kenner des hochkomplexen Themas „Restitution“ und „Provenienzforschung“ offenbar kaum stutzig werden, wenn wirklich alle Kritiker der jetzt erfolgten Absage auf diese oder jene Art zur selben Seite in diesen schwierigen Prozessen gehören. Ob nun die Jüdische  Gemeinde in Düsseldorf oder der Präsident des Jewish World Congress, Ronald Lauder; ob die drei Universitäten, die das Erbe Sterns verwalten – und weiter Rückgabeansprüche an deutsche Museen stellen – oder die Kulturstaatsministerin, die ihre peinliche Gurlitt-Scharte nur unter großen Mühen zuletzt bei Lauder auswetzen konnte: Alle haben sehr persönliche Motive, die Absage lautstark zu kritisieren.

Nun hat NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) dem Oberbürgermeister (SPD) einen Weg aus dem Dilemma aufgezeigt: Sie schlägt vor, das von der Stadt bereits angekündigte Symposium zur Geschichte Sterns und seiner Bilder als Ausgangspunkt für einen neuen Ausstellungsanlauf zu nehmen. Später. Mit mehr Sorgfalt.

Ausgerechnet Pfeiffer-Poensgen, denn sie und Geisel hatten dem Vernehmen nach keinen so guten Start. Die resolute Kulturfrau soll dem OB gleich beim ersten Aufeinandertreffen im Herbst gründlich die Leviten in Sachen Schauspielhaus (s. oben) gelesen haben. Das betreiben die Stadt Düsseldorf und das Land NRW gemeinsam. Manchmal jedoch erwächst aus solchen Konfrontationen ja noch etwas Großes. Ist auch eh gerade eine besinnliche Zeit …

… und sonst:

 

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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