Zur Kenntnis … am 5. September

Nur für’s Protokoll: Ich sage selber nichts zum „Wahl-Duell“! Ich gebe aber dem geschätzten Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, – und das tue ich nur in absoluten Ausnahmefällen – zu 100 Prozent Recht: Es ist zum Mäusemelken!!!
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Das hier aber auch: Beim Wett-Sensibelchen-Sein hat die Alice-Salomon-Hochschule in Berlin gerade eine neue Bestmarke in Moralinsäure gesetzt. Es geht um das Gedicht „Avenidas“ des Konkreten Poeten Eugen Gomringer, einen spanischsprachigen Achtzeiler von 1953, der die Promenade „La Rambla“ in Barcelona beschreibt. Er besteht – auch auf Deutsch – im Kern aus nicht viel mehr als den Worten „Straßen“, „Blumen“, „Frauen“ und „ein Bewunderer“. Der Dichter hatte sein Werk der Hochschule zur freien Verwendung überlassen, nachdem sie ihn 2011 selbst mit ihrem Poetikpreis ausgezeichnet hatte (sic!). Seitdem prangt „Avenidas“ weithin sichtbar an der Südfassade des Hochschulgebäudes (hier im Bild zum Anschauen und Nachlesen). Im vergangenen Jahr nannte die Studierenden-Vertretung es dann in einem Offenen Brief „eine Farce“, die zu „Angst vor Übergriffen und dem konkreten Erleben solcher“ führe (ich bin mal so frei und korrigiere an dieser Stelle den Grammatikfehler des Originaltextes). Und nun hat die Hochschule tatsächlich einen Wettbewerb zur Neugestaltung der Fassade ausgeschrieben.
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Seitdem ist eine Korrektheits-Debatte losgebrochen, die vermutlich selbst Gomringer die Sprache verschlägt. Der Philosoph und Publizist Wolfram Eilenberger merkte dazu im Deutschlandfunk Kultur ganz grundsätzlich an, es gebe „kein verletzungsfreies Sprechen“, weil Sprache immer einen Bedeutungsüberschuss habe. Das war sehr konziliant, mein Urteil ist etwas deutlicher: Eine Hochschule, die nicht nur Pädagogik, Gesundheit und Soziale Arbeit lehrt, sondern sogar interkulturelles Konfliktmanagement und Kreatives Schreiben, aber den Wesenskern künstlerischer Arbeit offenbar nicht mal im Ansatz versteht, geschweige denn schützt, hat sich bereits den intellektuellen Bankrott erklärt. Sie sollte konsequenterweise einfach schließen!
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Und sonst …
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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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