Vorläufiges Ende einer „kulturpolitischen Geisterfahrt“

​Der Rat der Stadt Düsseldorf hat heute den städtischen Anteil von 4,8 Mio Euro für die unbestritten notwendige Fortsetzung der Technischen Sanierung des Schauspielhauses bewilligt. Das Land wird seinen – gleich großen – Anteil voraussichtlich in den nächsten Wochen beschließen. Darüber hinaus gaben die Stadtverordneten 750.000 Euro für eine fundierte Planung und Kostenfeststellung weiterer, eigentlich überfälliger Arbeiten frei, vor allem an der Fassade. Diese beiden Beschlüsse wurden übrigens – das muss man auch mal erwähnen – mit den Stimmen aller Parteien im Rat gefasst, also einstimmig.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel hat auf den ersten Blick also tatsächlich erreicht, was er dem Vernehmen nach von Anfang an erreichen wollte, als er alle Alternativen bis zum Abriss und Neubau zur Debatte stellte: Die kommunale Volksvertretung hat sich einmütig hinter die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes gestellt.

Weiterhin ungeklärt bleibt jedoch, wie weit diese Sanierung tatsächlich gehen wird, wenn NRW sich über die aktuellen 4,8 Mio hinaus nicht daran beteiligen will. Das muss die Landesregierung nämlich nicht, weil die gemeinsame Träger-GmbH mit der Stadt nur für den Betrieb des Schauspielhauses zuständig ist. Das Gebäude selbst gehört zu 100 Prozent der Kommune, deshalb ist die auch ganz allein dafür verantwortlich (Experten nennen das „Dach und Fach“).

Deshalb wurde die Stadtverwaltung nun ebenfalls beauftragt zu ermitteln, auf welchem Wege weitere Arbeiten zur Verbesserung des baulichen Erscheinungsbildes denn vielleicht auch durch bürgerschaftliches Engagement in Form von Spenden oder Anleihen realisiert werden könnten.

Geisel hat in der Ratssitzung nicht nur von der Opposition, sondern auch vom Kooperationspartner FDP noch mal bescheinigt bekommen, dass er der Stadt auf seinem Weg zum richtigen Ziel einen großen und vor allem unnötigen Imageschaden beschert hat. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Gutt nannte das Vorgehen des Oberbürgermeisters unter anderem eine „kulturpolitische Geisterfahrt“.

Dieser Kritik konnte Geisel nicht wirklich angemessen begegnen. Seine Unfähigkeit zum Fehlerbekenntnis war allerdings nur halb so peinlich wie ein Versuch zu seiner Verteidigung durch die SPD-Bürgermeisterin Zepuntke. Sie drückte mit emotionalen Ausflügen in ihre Grundschultage und dem Geraune von Vier-Augen-Bekenntnissen Geisels zum Schauspielhaus derart auf die Tränendrüse, dass sich sogar mancher Parteifreund im Saal sichtbar unwohl fühlte. Die sozialdemokratischen Spitzen im Düsseldorfer Rathaus haben nicht nur, aber unübersehbar eklatante Mängel in der Kommunikation. Die ist sogar noch verwahrloster, als der OB es immer vom Schauspielhaus behauptet.

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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