Drei Kurze: Schwarz für Kapoor, Geld für Freiheit und Rummel am Rhein

  • Meine(!) Farbe: Anish Kapoor kauft Vantablack
  • Immer nur Sicherheit? Oliver Keymis will Freiheitspaket
  • Rheinische Beben: Moers und Morsbroich wackeln, Düsseldorf fängt sich

Anish Kapoor macht Ernst: Der Künstler hat sich exklusiv die Rechte am schwärzesten Schwarz aller Zeiten schützen lassen – „the blackest black out there“ wie hyperallergic schreibt, das klingt auf Englisch auch irgendwie noch cooler. Das in Rede stehende Schwarz heißt Vantablack, wurde von der britischen Tech-Schmiede NanoSystems entwickelt und soll eigentlich Satelliten unsichtbar machen: Es schluckt 99,7 Prozent aller auftreffenden Lichtwellen. Kapoor hat sich schon während der Entwicklung dafür interessiert, jetzt gehören ihm die weltweiten Rechte zur künstlerischen Nutzung. Diese Form der Farbexklusivität finden andere Künstler natürlich nicht so richtig lustig (Remember IKB – Yves Kleins International Klein Blau?). Der Queen-Porträtist Christian Furr ist schon auf den Barrikaden, weitere werden folgen. Das Feuilleton wird sich bestimmt auch darin gegenseitig zu überbieten suchen, wer das dunkelste Wortspiel dazu erfindet. Ich halte es erst mal ganz einfach, mit den Stones: „Paint it black!“

„Ein Sicherheitspaket jagt hier das nächste, aber was ist eigentlich mit der Freiheit?“ Der Vizepräsident des NRW-Landtages, Oliver Keymis von den Grünen, ist physisch wie mental das ziemlich exakte Gegenteil von stromlinienförmig. Seine Frage, zuletzt gestellt im Kulturausschuss des Landtages, ist mehr als berechtigt, denn den aktuellen Herausforderungen in Deutschland begegnet die Politik vor allem mit Maßnahmen aus dem Werkzeugkasten „Schutz und Sicherheit“: Mehr Polizei, mehr Abschiebung, mehr Überwachung – dafür wird gerade sehr viel Geld in die Hand genommen. Keymis regt an, das Geld besser in die Chancen der Zuwanderung zu stecken als in die Risiken, also in Kunst- und Kulturförderung, Bildung und Ausbildung, so Sachen halt. Das klingt klug – und es ist im Übrigen auch konsequent: Schon vor 15 Jahren hatte der Mann bereits ein „Freiheitspaket“ gefordert, anlässlich eines „Sicherheitspaketes“ (370 Mio in vier Jahren) des damaligen Innenministers Fritz Behrens von der SPD. Der ist heute – kleine Ironie der Geschichte – übrigens Präsident der Kunststiftung des Landes. Und hätte sicher auch ein paar Ideen, wie man 90 Millionen jährlich konstruktiv für Kultur ausgeben könnte…

Zuletzt noch ein rheinisches Triple, die schlechten Nachrichten zuerst: In Leverkusen steht das Museum Morsbroich (sprich –“broooch“, rheinisches Dehnungs-i) zur Disposition. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG haben den Kulturbetrieb der Stadt gecheckt und dabei – ach was – entdeckt, dass das Museum betriebswirtschaftlich gesehen das beste Streichergebnis liefert. Das kann man skandalös finden, es ist bei nüchterner Betrachtung allerdings nur logisch: Wenn man Ökonomen fragt, was man mit ökonomisch sinnlosen Sachen machen soll, sagen die natürlich: Schließen! Allerdings finanziert die in Leverkusen so museumskritische KPMG selbst sogar Gratis-Kunstabende – und zwar jeden ersten Mittwoch im Monat in der landeseigenen Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, keine 40 km von Morsbroich entfernt. Sicher ein Zufall …
In Moers hingegen wackelt das berühmte Jazzfestival. Eben erst hatte der Bund 150.000 Euro jährlichen Zuschuss beschlossen –ein Erfolg des Moerser Abgeordneten und sogar Bundestags-Kulturausschuss-Vorsitzenden Siegmund Ehrmann – nun steht die renommierte Pfingstveranstaltung trotzdem vor dem Aus. Die neue Festhalle refinanziert sich nicht, es hakt hier und da und dort. Noch besteht Hoffnung, das Programm für Mai steht auch, aber wie in Leverkusen sind solche Debatten schwerst sponsorenschädlich.
Doch von irgendwo kommt stets ein Lichtlein … und diese Woche sogar ausgerechnet aus Düsseldorf: Der neue Schauspielintendant Wilfried Schulz hat am Montag sein Team vorgestellt. Das ist nicht nur wegen der künftigen Hausregisseur*innen Bernadette Sonnenbichler und Roger Vontobel ziemlich hochkarätig, sondern wirkt auch auf sehr unspektakuläre Weise hochprofessionell. Zudem verbreitet Schulz selbst neben guter Laune (trotz der Bau-Umstände) vor allem das sichere Gefühl, einen Plan zu haben. Vielleicht ja ein Glücksgriff. Nach all den Jahren …

 

Foto: (c) Peter Grabowski (voll schwarz, Hand vor Linse)

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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