Drei Kurze: Eine Profi kommt, Kulturgutschutz auch, dazu ein Superlativst

  • Juchu, eine Frau: Bavendamm übernimmt SFVV
  • Kulturgutschutz im Bundestag
  • Teuerstes Bild aller Zeiten?

Gundula Bavendamm kennen nur Eingeweihte. Das war bis jetzt sicher auch in ihrem Interesse, wird sich aber nun ändern müssen – sie übernimmt die seit dem ersten Tag vor sich hin taumelnde Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Die Frau hat eine wissenschaftliche wie administrative Bilderbuchlaufbahn hingelegt, zuletzt konnte das zuvor völlig verträumte Alliiertenmuseum in Dahlem unter ihrer Leitung reüssieren. Nun tritt die Zeithistorikerin den Direktorenposten im Auge des Sturms an und muss das entkernte Deutschlandhaus am Anhalter Bahnhof mit Inhalt füllen, in jeder Hinsicht. Das wird ihr nicht schwer fallen. Noch eine Info für die Klatschfraktion: Bavendamm ist die Gattin von Sönke Neitzel. Das ist der Blonde mit dem Seitenscheitel aus den Hitlerdokus im ZDF (ein renommierter Historiker, wie auch ihr Vater Dirk, der allerdings bei der Aufarbeitung der Bertelsmann-Geschichte mindestens redaktionell schwer gepatzt hat).

Das Kulturgutschutzgesetz (KGSG) hatte vergangene Woche nun endlich auch seinen ersten Auftritt im Bundestag (Protokoll als pdf, TOP9). Kurze Zusammenfassung: Regierungsfraktionen sind zufrieden, Opposition nicht bis gar nicht. Einig ist man sich in der Notwendigkeit der Regelungen, ziemlich uneinig in deren Ausgestaltung. Interessant: Der Kulturausschussvorsitzende Siegmund Ehrmann (SPD, also mitregierend) hat in der Frage des besonders umstrittenen „national wertvollen Kulturguts“ ein staatliches Vorkaufsrecht nach britischem Vorbild ins Spiel gebracht. Das wäre zwar keine Kehrtwende für das Grütterssche Kulturstaatsministerium, aber doch eine deutlich veränderte Linie. Ob das ein im Regierungslager abgestimmter Vorstoß war … erfahre ich vielleicht morgen Abend beim Jahresempfang im Berliner Haus der Kulturverbände – mit der Chefin und dem ganzen Gebrause.

Das Feuilleton hat zuletzt einen neuen Rekord zu vermelden, jedenfalls das englische: 500 Millionen Dollar hat der Hedgefonds-Manager Ken Griffin offenbar für zwei Bilder von de Kooning (300 Mio) und Pollock (200 Mio) bezahlt. De Koonings „Interchange“ von 1955 (besser kein Foto posten) sei damit das „teuerste Bild aller Zeiten“, behaupten Guardian und Co. … ach, echt? The trouble is: Das weiß gar keiner. Im Umfeld der global tätigen Edelgaleristen wird zwar so manches nur gemunkelt, aber als sicher gilt, dass Deals dieser Größenordnung nicht immer im Geheimen gemacht werden, aber meistens. Das teuerste Bild aller Zeiten ist also sehr wahrscheinlich ein Picasso, van Gogh, Dürer oder Leonardo – und der hängt entweder ganz stickum bei irgendwem zuhause überm Sofa oder liegt im Tresor. Wir müssen ja auch nicht alles wissen … wirklich nicht.

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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Eine Antwort zu Drei Kurze: Eine Profi kommt, Kulturgutschutz auch, dazu ein Superlativst

  1. anna wittmer stratmann schreibt:

    …dankeschön immer wieder für die kurzen… du bist ja auch ein superlativist… 😉

    anna stratmann kultur.kommunikation

    sumry.me/annastratmann

    herichhauser straße 62 42349 wuppertal 0202.312039 0162.9065569

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