Frohes Neues, Kulturpolitik!

Neujahr in Deutschlands Mitte, bei Sonnenschein und 12 Grad. Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich: Klimawandel, Lauf der Dinge, Zufall? Ach … man weiß so wenig.

Das gilt auch für die Kulturpolitik: Was bringt das alles mit der Kulturellen Bildung, der Interkultur, dem Audience Development – bessere Menschen und eine friedlichere Gesellschaft oder doch nur mehr Spillover der Kulturwirtschaft und höhere Eigeneinnahmen der Institutionen? In Zeiten algorithmischer Lebensplanung und Big Data for Global Markets and Governance ist die kulturwissenschaftliche Faktenlage weiterhin eher … dürftig.

Dabei hatten CDU und SPD im Bund sich die „verstärkte Kulturpolitikforschung“ 2013 sogar in den Koalitionsvertrag geschrieben. Seitdem hat die GroKo es aber nicht nur geschafft, diese Vereinbarung ganze drei Haushalte lang einfach zu ignorieren, sondern sogar, die bisher immer alle zwei Jahre erschienene Kulturfinanzstatistik zum ersten Mal überhaupt um gleich ganze zwölf Monate zu verschludern. Als sie dann doch kam – im vergangenen August – musste man mal wieder feststellen: Nix Genaues weiß man nicht. Die letzten sicheren Zahlen waren aus buchhalterischen Gründen schon vier Jahre alt, außerdem verstehen bis heute einzelne Bundesländer unter „Kulturausgaben“ weiterhin recht verschiedene Dinge, nicht nur beim Denkmalschutz. Im Koalitionsvertrag ist die „gegebenenfalls gesetzlich zu sichernde Kulturstatistik“ übrigens ebenfalls ausdrücklich erwähnt. Ach …

Wenn so Verkehrs- oder Energie-, geschweige denn Finanzpolitik betrieben würde, wäre nicht nur das Geschrei in allen Medien groß, sondern es gäbe längst Untersuchungsausschüsse und Frank Weise hätte noch ein zusätzliches Amt übernommen. Aber bei der Kultur?

Dabei ist sie doch, was uns ausmacht: Menschen, Europäer*innen, Deutsche, Rheinländerinnen und Westfalen, wir alle sind nur erkennbar durch unsere gemeinsame Kultur und ihre Unterschiede. Kulturpolitik ist also jener Teil der öffentlichen Sache, der Identität und Heimat bestimmt, den Spirit wie die intellektuelle Kraft dieses Landes, nicht zuletzt auch unsere Anziehungs- und unsere Integrationskraft für Zuwanderer.

Monika Grütters und auch Christina Kampmann muss man das nicht groß erklären, bei Horst Seehofer und Hannelore Kraft hingegen sind vermutlich selbst größte Anstrengungen vergebens, trotz Konzertsaal dort und Tanzzentrum hier. Doch bei den vielen Wählern und Entscheidern zwischen diesen Extremen, da geht was, da könnte zumindest was gehen, umso mehr mit ein paar handfesten Argumenten.

Vielleicht kriegt die Kulturpolitik im Bund ja in 2016 endlich die Kurve zu mehr Konzept und Strategie auf Grundlage harter Fakten. Einen Anfang könnte die Lektüre von Patrick Föhls brandneuem „Handbuch Kulturpublikum“ sein (Rezension bald hier). Und der Fachverband Kulturmanagement wird sich auf seiner Jahrestagung Mitte Januar in Winterthur ebenfalls ausschließlich mit der „Evaluation im Kulturbereich“ befassen.

Natürlich warten noch ein paar andere Themenklötze auf uns in 2016: Urheberrecht, Kulturgutschutz, Digitalisierung. Doch auch dort lauert die größte Gefahr jeweils beim Stochern im Nebel: Auf großer Fahrt und hoher See braucht es halt ein vernünftiges Radar und aktuelle Karten. Jetzt!

Auf ein – frohes – Neues, Kulturpolitik!

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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