Drei Kurze: Filmförderfragen, hässliche Häuser und das Erbe der Schützen

  • Rößner ärgert Grütters – Grüne Medienfrau nervt schwarze Kulturfrau mit Filmfragen
  • „Hässlich“ ist kein Kriterium – Ruhr-Uni unter Denkmalschutz
  • Anders aufbewahren: Schützenwesen ist Kulturerbe

Herzlichen Glückwunsch, Tabea Rößner! Ich gratuliere Ihnen allerdings nur in zweiter Linie zum 49. Geburtstag, den Sie heute feiern; in erster Linie muss ich Sie zur Drucksache 18/6729 beglückwünschen. In diesem Papier beantwortet die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, also die Kulturstaatsministerin, also Monika Grütters, Ihre Kleine Anfrage mit dem unscheinbaren Titel „Nachhaltigkeit, Effizienz und Gerechtigkeit in der Filmförderung“ im Deutschen Bundestag. Das ist ein wirklich erstaunliches Dokument. Wie die Filmförderanstalt (FFA), der Deutsche Filmförderfond (DFFF) und der/die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) in den letzten zwei Jahrzehnten mit den Themen Effektivität und Nachhaltigkeit in der Filmförderung sowie den Fragen der Geschlechtergerechtigkeit darin umgegangen zu sein scheinen, ist ausweislich ihrer eigenen Auskünfte mindestens bemerkenswert. Ich will das hier nicht detailliert wiedergeben, zusammenfassend lässt sich sagen: Nix genaues weiß man nicht. Vollends schlägt dem Fass allerdings erst der Umstand den Boden aus, dass sich die FFA offenbar außerstande sieht, für mehr als zwei Jahre rückwirkend nachzuvollziehen, in welcher Verteilung die Empfänger*innen von Drehbuchförderungen männlich oder weiblich waren. Das ist natürlich Quatsch, und es zeigt, wes Geistes Kind die Verantwortlichen dieser Institution sind. Wer ist da noch mal gleich Präsident? Hier, der Dings, warte, wie heißt er denn noch … ach so, ja: Bernd Neumann. Das ist der Vorgänger von Frau Grütters als Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien. Und Nestor der Filmförderung des Bundes nach heutigem Zuschnitt. Ach so. Na, dann …

.

Ganz großes Tennis gibt’s unter anderem gerade auch wieder in Bochum zu beobachten: Die Denkmalpfleger des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe haben die wirklich schrecklich hässliche Ruhr-Universität unter Denkmalschutz gestellt. Allerdings ausdrücklich nicht wegen Ihrer ausnehmenden Hässlichkeit – hatte ich die eigentlich schon erwähnt? – sondern wegen ihrer exemplarischen Hässlichk… nee, halt, hier steht: wegen der „hervorragenden Architektur“. Merke, Sterblicher, der du vergänglicher bist als der Beton der 60er und 70er: Hässlichkeit ist kein Kriterium! Sonst wären Nacktmulle und Grottenolme schon lange ausgestorben, doch stattdessen sind sie sogar besonders geschützt – so wie jetzt auch die Ruhr-Uni (der passt das übrigens gar nicht, weil sie da Angst haben, dass die Sanierung jetzt teurer wird. Aber das ist im wahren Sinne des Wortes eine ganz andere Baustelle  …)

.

Zum Schluss für heute eine ambivalente Nachricht zu einem sowieso heiklen Thema: Waffenbesitz. Die Kultusministerkonferenz der Länder und Kulturstaatsministerin Monika Grütters sind Ende der Woche einer Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission gefolgt und haben sieben weitere Kulturformen in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen (so heißt das korrekt). Darunter ist auch und zur besonderen Freude vor allem der Freunde gepflegten Kampftrinkens und Rumballerns in Nordrhein-Westfalen: Das Schützenwesen. Aber halt! Das ist – zugunsten einer arg billigen Pointe – natürlich sehr verkürzt dargestellt. Tatsächlich ist das Schützenwesen ein Jahrhunderte altes Brauchtum. Es fußt in der ehedem nötigen Selbstverteidigung vieler Städte und Gemeinden in Ermangelung eines wehrhaften wie –willigen Lehns- oder Landesherrn (Frauen durften damals noch nicht – Rößner, übernehmen Sie!). Mit anderen Worten: Das Schützenwesen ist der tradierte und in aller Regel auch kulturell sublimierte Ausdruck bürgerlicher Freiheit und und kommunaler Selbstverwaltung. So sieht’s aus! Das ändert allerdings nichts daran, dass in Deutschland – die bislang glücklicherweise sehr wenigen – Amokläufer meist aus dem Umfeld von Schützen stammten und dort auch ihre Waffen her hatten. Watt lernt uns datt? Alles hat zwei Seiten. Allerdings: Meist wird nicht mal eine davon auch Kulturerbe.

.

Foto: (c) Ruhr-Universität

Advertisements

Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
Dieser Beitrag wurde unter Drei Kurze abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s