Drei Kurze: Stiftungsflucht, Kultusminister und altes Papier

  • SFVV: Grütters sucht weiter Direktor
  • KMK: Kultur öffnet Welten – und baut Museen
  • UNESCO: Luthers Bibel, Bachs Messe sehen

Monika Grütters muss weiter nach einem Direktor für die hochsensible Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung suchen. Nach dem plötzlichen Rückzug des designierten Chefs Winfried Halder von diesem Posten vor einem Monat hat der Stiftungsrat gestern eine neuerliche Findungskommission eingesetzt. Das bedeutet auch: Auf die Schnelle hat Grütters keine geeignete, allen Gruppen genehme und gleichzeitig willige Person finden können. Angeführt von der Kulturstaatsministerin werden Vertreter der in diesem Rat sitzenden Gruppen – Bundespolitik, Vertriebene, Kirchen – nun also schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres nach einem neuen Leiter fahnden. Gründungsdirektor Manfred Kittel hatte das Amt im Dezember 2014 abgeben müssen, weil er sich mit einer geplanten Ausstellung über die Vertreibungsgeschichte zwischen Griechenland und der Türkei zum wiederholten Mal in den Befindlichkeitsstricken des Stiftungskonstrukts verfangen hatte.

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Kultusministerkonferenz! Dieser Begriff gehört eindeutig zum politischen Wörterbuch der alten Bundesrepublik. Die ist zwar passé – auch wenn viele Wessis das immer noch nicht wirklich verstanden haben -, die Institution Kultusministerkonferenz (kurz KMK) ist es aber nicht: Am Donnerstag treffen sich die Länderressortchefs aus den Bereichen Schule, Hochschule und Kultur zum 352. Mal, in Berlin. Dieses Mal steht unter anderem ein Gespräch mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden auf dem Programm (wem dessen Name an dieser Stelle sofort einfällt, darf sich Insider nennen) und die Beteiligung der Länder an der Initiative „Kultur öffnet Welten“. Die soll bereits Ende Mai 2016 erstmals stattfinden, bloß was da genau passieren soll, ist auch nach ein paar gut klingenden Memoranden und Konzeptpapieren noch ziemlich unklar. Ein Ziel ist jedenfalls, die vielen bereits existierenden und oft erfolgreichen Beiträge von Kultureinrichtungen und Künstler*innen zum Interkulturellen Dialog sichtbarer zu machen. Der Deutsche Bibliotheksverband hatte mal angekündigt, Interessenten könnten sich dazu ab November online anmelden. Die zugehörige Internetseite kultur-oeffnet-welten.de allerdings … aber das sehen Sie ja selbst.
Am Rande der KMK werden Monika Grütters und Sachsen-Anhalts Kulturminister Stephan Dorgerloh übrigens eine Verwaltungsvereinbarung zur Finanzierung des neuen Bauhaus-Museums in Dessau unterzeichnen. Zur Erinnerung: Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum ist 2019, das neue Museum soll(te) pünktlich dazu fertig sein, der Bund beteiligt sich daran mit 12,5 Mio. Euro (Kleiner Haken: Es ist weiterhin nicht entschieden, was eigentlich gebaut werden soll). Vermutlich wird es dann zusammen mit dem Berliner Flughafen und der Einheitswippe eingeweiht…
Der aktuelle Präsident des Zentralrats der Juden ist übrigens Dr. Josef Schuster. Schon seit 2014. Irgendwas muss sich in den letzten Jahren an der PR-Arbeit des Zentralrats verändert haben …

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Zum Schluss für heute ein ganz besonderer Veranstaltungstipp: Martin Luthers hebräische Bibel (mit seinem eigenen Gekritzel am Rand) sowie Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe in der Originalhandschrift des Meisters kann man am Freitag einmalig für einen halben Tag in der Berliner Staatsbibliothek angucken. Selber. Also: persönlich. Sozusagen von Pupille zu Papier. Das sollte man sich nach Möglichkeit nicht entgehen lassen, denn beide gehören – zusammen mit einem ebenfalls ausgestellten, zeitgenössischen Druck von Luthers 95 Thesen – zum Weltdokumentenerbe der UNESCO. Und wer sich das nicht jetzt noch schnell ansieht, wird sich 2017 wahrscheinlich mit der halben Christenheit davor rumdrängeln. Sage dann keiner, das habe man sich aber anders vorgestellt …

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Foto: (c) Stiftung Bauhaus/Young & Ayata

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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Eine Antwort zu Drei Kurze: Stiftungsflucht, Kultusminister und altes Papier

  1. wie immer – danke!! jetzt weiß ich auch, was ich freitag unternehmen kann. finde bei dieser gelegenheit sicherlich den stiftungsdirektor. werde einfach mir geeignet erscheinende personen ansprechen.

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