Drei Kurze: Pinas Vermächtnis, Pop-Gloss und der Blick in die Ferne

  • NRW-Kulturetat – Geld fürs Tanzzentrum?
  • EwaGlos: Lektionen in Social Media
  • Hinterm Horizont: Kulturpolitik woanders
 Am morgigen Dienstag wollen die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen im Düsseldorfer Landtag die grundsätzlichen Haushaltsentscheidungen für 2016 fällen. Nach dem „Ja“ zur Kofinanzierung eines Internationalen Tanzzentrums in Wuppertal vergangene Woche aus Berlin ist jetzt das Land am Zug: Bis zu 16 Millionen Euro beträgt der voraussichtliche Anteil an diesem Großprojekt – also nur die Investition ins Gebäude. Wie dann anschließend der Betrieb des Hauses mit seinen vier Säulen Pina-Bausch-Archiv, Tanztheater, Produktionszentrum und Bürgerforum finanziert werden soll? Noch unklar; aber absehbar, dass es deshalb heftige Auseinandersetzungen geben wird. Getreu einem alten Stücktitel von Pina: „Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört„.
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Irre Geschichte, echt: Koordiniert von der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (Niedersachsen) entwickelten zwei Hände voll internationaler Partner ein elfsprachiges „Europäisches illustriertes Glossar für Fachbegriffe der Konservierung/Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche“. Mit anderen Worten: eine echte Nerd-Publikation. Die bloße Online-Ankündigung der Veröffentlichung wurde allerdings in nur wenigen Stunden bereits tausende Male angesehen, anschließend von zuvor unbeteiligten Experten aus dem Englischen sofort in weitere Sprachen übersetzt und vor allem via Facebook wiederum viele hundert Mal geteilt. Jetzt existiert nicht nur erstmals ein terminologisches Standardwerk für diese vergleichweise junge kunst-wissenschaftliche Disziplin, sondern es erfährt auch umgehend massive Verbreitung; Fachleute aus 109 Ländern, das ist mehr als die Hälfte der UN-Mitgliedsstaaten, können damit arbeiten – eine interkulturelle Meisterleistung. Projektleiterin Angela Weyer vom federführenden Hornemann-Institut in Hildesheim wird in der Pressemitteilung mit dem schönen Satz zitiert: „Der Common Sense über die Sinnhaftigkeit des Projekts führte uns zum Ziel, nicht das Geld der EU.“ Geholfen hat es allerdings bestimmt schon, irgendwie …
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Die aktuellen Ereignisse spülen mal wieder eine leider viel öfter zitierte als befolgte Regel auf den Kamm der medialen Welle: „Think global, act local!“ Zum globalen Denken gehört allerdings mindestens globales Wissen. In der Kulturpolitik ist die IFACCA eine gute Adresse, um über den Tellerrand – auch des eigenen Kontinents – zu gucken. Aktuell ist da einiges in Bewegung: In Australien wird der hochumstrittene „Brandis-Plan“ hin zu einer fast auschließlichen Exzellenzförderung im Kultursektor nach einem Ministerwechsel offenbar wieder zurückgeholt. In den USA fragen sich dafür die Akteure, was die Vereinbarungen zwischen Präsident Obama und der republikanischen Kongressmehrheit im Haushaltsstreit eigentlich für die Kulturfinanzierung der NEA (National Endowment for the Arts) bedeuten. In der Slowakei ist ein völlig neuer staatlicher Kulturfond installiert worden, und im Iran fällt das Kulturministerium – das auch für die Medien und überhaupt die „Islamische Führung“ zuständig ist – mit moderaten Tönen auf. Die neue Regierung fühle sich der „Pressefreiheit (im gesetzlichen Rahmen der Islamischen Republik) verpflichtet“, heißt es in einem Mitteilung des Ministeriums, und wolle in „Respekt vor den Medien persönlichen Geschmack und Drohungen vermeiden“. Auch zur interkulturellen Kompetenz gehört übrigens, sehr genau auf Zwischentöne zu achten; nicht nur im Nahen und Mittleren Osten für unsereins ein komplexes Unterfangen. Schon weil man die Sprache nicht spricht. Angela Weyer, übernehmen Sie!
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Foto: (c) Wikipedia Commons
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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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