Drei Kurze: Jugendmedienschutz, Futur II, Futur I

  • Jugendmedienschutz: Hanebüchener Unsinn
  • 21. Oktober: Zurück in die Zukunft
  • 22. Oktober: Kampmanns Kultur-Taufe
Die Ministerpräsidenten der Länder haben den 19. Rundfunkänderungsstaatsvertrag abgesegnet. Und so bescheuert wie sein Titel ist wohl auch ein wesentlicher Teil des Inhalts: Der ebenfalls neue Staatsvertrag zum Jugendmedienschutz (leider noch nicht veröffentlicht). Traut man den stets gut informierten Kolleg*innen aus Medienkorrespondenz und Co., werden darin ganz offensichtlich Sachen reguliert, auf die staatliche Stellen in Deutschland entweder de facto keinen Zugriff haben oder für die die Länder verfassungsrechtlich gar nicht zuständig sind. Auch wurden aufwändigst Filtersysteme zum Schutze der lieben Kleinen und Halbwüchsigen eruiert wie evaluiert, die auf den mobilen Geräten, mit denen Minderjährige heute nahezu ausnahmslos die mediale Welt erfahren, leider gar nicht laufen. Wie bekloppt ist das denn? In der politischen Debatte wird oft völlig zu Unrecht auf den Akteuren rumgehackt, die in der repräsentativen Demokratie einen gemeinsamen Weg verschiedenster legitimer Interessen zu finden haben. In diesem Fall aber scheint die Schelte völlig berechtigt! Leider soll der Vertrag erst in den kommenden Wochen durch die Parlamente gehen, um dann im Dezember von den Ministerpräsidenten unterzeichnet zu werden. Schade: Der 21. Oktober wäre ein perfektes Datum gewesen, denn …
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… eigentlich sollte diese Meldung der bunte Rausschmeißer des heutigen Dreiers werden, aber sie passt hier einfach zu gut: Am Mittwoch kommt Marty McFly mit seinem DeLorean eingeflogen. Wahrscheinlich bringt er von dort und gegen Doc Browns erklärten Willen genau jene Mentalität und Weltsicht von vor 30 Jahren mit, aus der oben beschriebener Staatsvertrag entstanden ist. Wenn wir also nach dem 21. Oktober diesen in Gesetzeskraft gegossenen Unfug plötzlich alle ganz toll finden sollten, wird das – mittelbar – am Fluxkompensator gelegen haben (Achtung: Futur II). Jenseits all der lustigen Sprüche ist das Phänomen „Zurück in die Zukunft“ tatsächlich auch kulturpolitisch interessant: Zusammen mit Ridley Scotts Meisterwerk „Blade Runner“ von 1982 hat McFlys Zeitreise die Vorstellungen von „Zukunft“ und „Vergangenheit“ – also auch „Zeit“ – einer ganzen Generation (junger Menschen der 1. Welt) maßgeblich geprägt. Ich will mir lieber nicht ausmalen, mit welcher Begründung die Filmredaktionen von ARD und ZDF damals eine Anfrage zur Koproduktion abgelehnt hätten.
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Zum Schluss für heute: Am Donnerstag steht der erste Auftritt von Nordrhein-Westfalens neuer Kulturministerin Christina Kampmann im zuständigen Fachausschuss des Landtages an. Und da geht’s auch thematisch gleich rund mit der Denkmalförderung, sogar gleich doppelt zum „Kunstbesitz“ (Runder Tisch und Inventarliste) sowie den Haushaltsberatungen für 2016. Die Christdemokraten um ihren kulturpolitischen Sprecher Thomas Sternberg werden dafür sorgen wollen (Futur I), dass „die Neue“ sich zur Premiere in den Untiefen der Fachgesetzes- und Etatfragen mindestens mal den Fuß vertritt – oder gleich ganz ins Wasser plumpst. Dass es (noch) flach ist, wird dann nur ein halber Trost sein: Nass ist nass.
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(c) Peter Grabowski
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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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