Drei Kurze: Soziokulturelle Windmühlen, Flüchtlinge ins Museum, Wege zur Musik

  • Endlich eigene Windmühlen! Soziokultur will auch gegen TTIP sein
  • Flüchtlinge ins Museum! Kostenlose Führungen in Hamburgs Kunsthalle
  • Musikunterricht: Report zeigt Schülern „Wege zur Musik
Am Samstag wird bundesweit gegen das geplante Freihandelsabkommen mit den USA protestiert. Die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren hat dem Werk jetzt eine trotzige Absage erteilt: „Soziokultur braucht kein TTIP“ heißt der zugehörige Claim. Als explizite Risiken des Paktes mit den amerikanischen Kapitalistenteufeln hat sich der Verband allerdings ein paar echte Windmühlen rausgesucht, an die er seine Kampagnenkräfte nun offenbar großzügig vergeuden möchte: In einer Pressemitteilung vom Donnerstag sind die einzig konkret benannten Gefährdungen „die Buchpreisbindung oder die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“. Blöd dabei: Erst zu Beginn vergangener Woche hatte EU-Handelskommissarin Malmström dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Erhalt der Buchpreisbindung sogar schriftlich zugesichert, woraufhin die Buchleute unüberhör- wie -sehbar schier ausgerastet sind vor Lobbyistenstolz (siehe auch „Drei Kurze“ von Mittwoch). Und der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist nach jetzigem Stand der Dinge sogar gleich doppelt unbedroht: Der sogenannte Audiovisuelle Sektor ist nämlich bislang von den Verhandlungen ausgenommen, zudem würde die Gebührenfinanzierung im Internationalen Handelsrecht allenfalls als Subvention (engl.: „subsidies“) gelten – Subventionen sind aber grundsätzlich nicht Gegenstand von Freihandelsabkommen.
(Ich hätte gern auf die Original-Pressemitteilung verlinkt, doch sie steht gar nicht erst online. Vielleicht wollen die Leute aus der Öffentlichkeitsarbeit auf die Art aber auch nur verhindern, dass das Papier allzuweite Kreise zieht …)
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„Taten statt Worte“, sagt sich offenbar die Hamburger Kunsthalle und bietet bis auf Weiteres zweimal die Woche kostenlose Führungen für Flüchtlinge (und ihre Begleitung) an – wenn auch erst mal nur auf Englisch. Das könnte zu hochspannenden, vielleicht auch aufwühlenden Szenen führen, wenn Menschen, die eben erst mit knapper Not und ohne Habe der Hölle des Krieges in Syrien, Libyen oder Afghanistan entkommen sind, vor Philipp Otto Runges Ruhe auf der Flucht nach Ägypten oder auch Otto Dix‘ Mutter und Kind stehen. Sicherlich wäre es gut investiertes Geld, schnell ein paar Kunsthistoriker*innen mit Kenntnissen in Paschtu, Dari, Urdu, Swahili usw. zu suchen. Integration durch Kunstkenntnis klingt in meinen Ohren nämlich wie „Königsweg“.
(Der Deutsche Kulturrat fordert aktuell übrigens wieder mal, „Deutsch als gemeinsame Sprache“ ins Grundgesetz zu schreiben. Es gibt so Kämpfe von gestern, die machen mich müde. Sehr, sehr müde …)
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Warum erreicht der traditionelle Musikunterricht so viele Schüler*innen nicht? Die britische Royal Philharmonic Society hat einen Bericht (natürlich auf Englisch) über neue Wege zur Musik für Kinder und Jugendliche vorgelegt. Da kann Reingucken nicht schaden …
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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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