Drei Kurze: Kulturinteresse anerzogen, Kulturgroschen vergeben, Archiv angekündigt

Alarm: Eltern geben ihr Kulturinteresse an Kinder weiter. Also wenn sie eins haben. Wie bitte, das wundert Sie nicht? Schämen Sie sich – das ist ein Skandal! Findet jedenfalls der Rat für Kulturelle Bildung offenbar irgendwie, wie man der zugehörigen Pressemitteilung ziemlich deutlich anmerkt. Von „aufrüttelnden Ergebnissen“ ist da die Rede, allerdings … man weiß bei genauerer Durchsicht der zugehörigen Allensbach-Studie nicht so recht, was jetzt genau das Problem des ehrenwerten Gremiums ist. Die Untersuchung hat nämlich eigentlich nur ergeben, dass Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse aus Akademikerhaushalten mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Interesse an Kunst und Kultur haben als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aus bildungsferneren Milieus. Ach was …
Und dass drei Viertel dieser Akademikerkinder dann auch ihre Eltern als Impulsgeber für ihr kulturelles Interesse angeben. Nein, wirklich? Das wäre nun sogar ein wirklich interessanter Untersuchungsansatz für verhaltensorientierte Kultursoziologen: „Zur Differenz von Selbsteinschätzung und tatsächlichen Motiven“ …
Übrigens hat die Untersuchung auch ergeben, dass 70 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler sich sehr (19%) oder etwas (51%) für „Kultur“ interessieren, und damit ausdrücklich nicht „Popmusik“ oder „Filme“ meinen. Mir kommt das mit Blick auf die aktuellen Kulturnutzerzahlen im höheren Alter ziemlich viel vor … Was war jetzt noch mal genau der Skandal?

(Die Veröffentlichung dieser lang angekündigten Allensbach-Studie im Auftrag des Rates für Kulturelle Bildung haben beide Institutionen übrigens als echtes PR-Meisterstück inszeniert und ganz cool mitten in die Sommerferien gelegt. Klar, bei so ’nem Knallerthema muss man natürlich die nachrichtenarme Zeit der Hochtemperaturphase nutzen, um mit seiner Botschaft durchzudringen. Zumal das pädagogische Gewerbe im Sommer ja traditionell auf vollen Touren … aber lassen wir das.)
Foto: (c) der kulturpolitische reporter
Advertisements

Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
Dieser Beitrag wurde unter Drei Kurze abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s