Was lange währt – wird lang

Der erste lokale Theaterpakt in Nordrhein-Westfalen ist besiegelt. Die Oberbürgermeister von Krefeld und Mönchengladbach unterzeichneten mit Kulturministerin Ute Schäfer eine Fördervereinbarung über fünf Jahre. So lange erhält die gemeinsame Bühne der beiden Städte am Niederrhein einen erhöhten Betriebskostenzuschuss aus der Landeskasse. „Was länge währt, wird endlich gut“, heißt es. Manchmal wird es zwar auch einfach nur lang – aber das muss keine schlechte Nachricht sein.

Was da so lange währt, das ist das Gerede über den NRW-Theaterpakt, den Kulturministerin Ute Schäfer im Januar 2011 erstmals verkündete. Seitdem schüttet das Land 4,5 Millionen Euro zusätzlich an die städtischen Bühnen in NRW aus, zusätzlich zu den regulären 14,5 Millionen Fördermittel. Allerdings: Das in Folge der kommunalen Finanzkrise entstandene Extra muss in jedem Jahr neu vom Landtag beschlossen werden. Kein Schauspiel und keine Oper konnte also sicher sein, dass es die pro Haus mittlere sechsstellige Summe im nächsten Jahr wieder geben würde.

Damals setzte Schäfer auch eine ständige Theaterkonferenz ein, aus Intendanten und Geschäftsführern, Vertretern der theatertragenden Kommunen sowie des Städtetages und natürlich der Landesregierung. Die sollten zunächst schnell einen Verteilungsschlüssel für viereinhalb Millionen Euro jährliche Sonderzuschüsse finden, um anschließend weitere Formen von Austausch, Kooperation und Synergien auf lange Sicht auszuloten.

Von mehr als Geld war schnell keine Rede mehr

Von letzterem, also von Fragen jenseits des Geldes oder gar Antworten im konzeptionellen, im kooperativen Bereich, haben wir seitdem nie wieder etwas gehört. Um das Geld ging es dafür stets aufs Neue, und immer auf eine sehr seltsam anmutende Weise: Alle paar Jahre – 2011 ist ja nun auch schon ein Ströphchen her – wurde der Theaterpakt von Ute Schäfer wieder hervorgekramt. Mal rühmte sie die einvernehmliche Verteilung der Millionen durch besagte Theaterkonferenz, mal unterschrieb sie mit dem NRW-Städtetag ein richtiges Pakt-Papier, in dem aber auch wieder nur drin stand, was vom ersten Tag an Fakt war: Das Land gibt eben jene viereinhalb Millionen mehr für den Erhalt der Stadttheaterlandschaft aus, die Städte finden das – ach was! – super, alles weitere irgendwann in irgendwelchen Einzelvereinbarungen.

Und nun, sage und schreibe 43 Monate, eine Neuwahl und ein Kulturfördergesetz später: Eine Neuigkeit! Die erste sogenannte Fördervereinbarung zwischen einer städtischen Bühne und dem Land NRW. Fünf Paragrafen auf sieben Seiten, mit einer zwar kleinen, aber auch nicht eben unwesentlichen Änderung der bisherigen Situation für zumindest dieses eine Haus am Niederrhein: Der bereits seit 2011 gewährte Aufschlag von 338.000 Euro aus Landesmitteln (Gesamtlandesförderung ca. 1,3 Mio) wird dort nicht nur in diesem oder nächsten Jahr gezahlt, sondern vertraglich zugesichert bis einschließlich 2020. Garantiert! Im gleichen Papier haben sich die beiden theatertragenden Städte Krefeld und Mönchengladbach zudem noch einmal zu ihrer Vereinbarung bekannt, ihren gemeinsamen Zuschuss von 27 Millionen Euro bis dahin genauso stabil zu halten.

Fünf Jahre – eine Stadtheaterfinanzierungsewigkeit

Das klingt vielleicht erst mal wenig, aber: Fünf Jahre Planungssicherheit für ein Theater in zwei Städten, die bis in den Nothaushalt verschuldet sind – das ist alles andere als eine Kleinigkeit. Entsprechend erleichtert war Generalintendant Michael Grosse, nicht nur bei der Vertragsunterzeichnung in Düsseldorf, sondern schon am Morgen zuvor. Da hatte er nämlich seine Belegschaft zum Ende der Theaterferien mit der guten Nachricht überrascht. Wie man hört, war die Stimmung unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nachgerade ausgelassen.

Wenn es nach der Kulturministerin geht, sollen sich diese Szenen schon bald wiederholen: Sie nannte Bonn und Bielefeld als die nächsten Kandidaten für eine lokale Fördervereinbarung im Rahmen des Theaterpaktes. Ob es da dann auch um fünf Jahre Laufzeit geht, wird man sehen. Aber was lange währt … wird manchmal auch einfach nur lang. Das muss nicht immer gleich eine schlechte Nachricht sein.

(Dieser Kommentar ist in einer leicht veränderten Version bereits in der Sendung „Resonanzen“ vom 13. August 2015 auf WDR 3 ausgestrahlt worden. Leider steht er in der Mediathek des WDR nicht zum Nachhören zur Verfügung.)

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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