„De Materie“ fehlt die Substanz (schönes Paradoxon)

Heiner Goebbels hat zum Auftakt der Ruhrtriennale eine Oper des Niederländers Louis Andriessen inszeniert. Das Werk wird in Duisburg überhaupt erst zum zweiten Mal in Szene gesetzt. Und es gibt mindestens zwei legitime Arten der Bewertung.

1. Leider sehr langweiliger Abend. Er leidet unter einem klassischen Blockbuster-Syndrom: Der Trailer verspricht eine irre Sause, im Film merkt man allerdings ganz bald, dass da schon alle guten Szenen drin waren. So auch hier: Heiner Goebbels teils wirklich sensationelle Bilder reichen lange nicht für zwei Stunden. Der Auftrieb der Schafe unterm Zeppelin-Mond kurz vor Schluss ist sogar (bei Goebbels sonst ungewohnte) Effekthaschei – er hat keine erkennbare dramaturgische Funktion. Die Musik ist zudem über weite Strecken derart statisch, dass einem regelrecht die Füße einschlafen. Wenn man daraus ’n 10-Minutenclip schneiden würde: Toll! Aber so … Das Publikum hat das sehr genau gespiegelt und zwar wohlwollenden, aber insgesamt sparsamen Applaus gespendet. Bei einer immerhin doch mit Spannung erwarteten Premiere im Abschlussjahr von Goebbels‘ bislang höchst erfolgreicher Intendanz.

2. Für Spezialisten: Ganz toll.

Fazit: Es gibt Stücke, die sind unerkannte Schätze. Und es gibt solche, die aus gutem Grund nicht oft gezeigt werden. Das reißt auch eine Regie nur ganz eventuell mal im genialischen Ausnahmefall raus – der liegt hier nicht vor. Professionelle Operngucker überzeugen sich natürlich auch davon (zu Recht) gern. Für alle anderen: Lieber noch ’ne aktuelle Folge von „The Knick“ ansehen!

Foto: (c) Ruhrtriennale

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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