Der kleine Unterschied …

Das Theater ums Theater in Wuppertal hört nicht auf. Aktuell gibt es Verwirrung um die Zukunft der beiden Intendanten Christian von Treskow (Sprechtheater) und Johannes Weigand (Oper). Sie sollen am Donnerstagabend vor Mitarbeitern erklärt haben, ihre bis 2014 laufenden Verträge würden nicht verlängert. Die Stadt widerspricht dieser Darstellung – in einem kleinen, aber wichtigen Detail.

Aus ihrer Sicht als Alleingesellschafter der Wuppertaler Bühnen klingt die Sache so: Der Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Peter Jung, habe die beiden künstlerischen Geschäftsführer von Treskow und Weigand vor den Sommerferien fristgerecht darüber informiert, dass ihre am 30. Juni 2014 auslaufenden Verträge nicht automatisch verlängert würden. Diese Automatik wäre andernfalls in Kraft getreten, bestätigte Wuppertals Kulturdezernent Matthias Nocke heute Mittag am Telefon: „Angesichts einer neuen Spielstätte und der Entwicklung der Zuschauerzahlen halte ich das für einen ganz normalen Vorgang, dass man erst mal miteinander redet“, sagte er zu einer möglichen Weiterbeschäftigung der künstlerischen Spitze des Hauses. Irritiert zeigte sich der Dezernent über das in der Stadt kursierende Gerücht, den beiden Chefkreativen sei sogar gekündigt worden. Im Gegenteil sei auch die Vertragsverlängerung über den Sommer 2014 hinaus weiter möglich, erklärte Nocke, sie werde nur eben nicht mehr automatisch eintreten.

Diese Information hat die Intendanten offenbar ohne Vorwarnung per Post erreicht. Anschließend habe der kaufmännische Bühnen-Geschäftsführer ihnen „den Brief erläutert“, sagte der Kulturdezernent heute. Warum das nicht durch den Aufsichtsratsvorsitzenden und Oberbürgermeister Peter Jung selbst erfolgte, scheint unklar. Im Rathaus ist von Terminproblemen die Rede.

Die nächste Sitzung des für die Berufung und Abberufung von Geschäftsführern zuständigen Aufsichtsrates der Bühnen ist bislang für den 21. September geplant, soll aber wohl auf einen späteren Termin verschoben werden. Dort wird das neuerliche Theater um das künstlerische Führungspersonal im Tal sicherlich ein, vielleicht auch das Thema sein. Eine Stellungsnahme der beiden betroffenen Intendanten Christian von Treskow und Johannes Weigand zu der Angelegenheit war heute Mittag nicht zu bekommen – sie befanden sich in aktuellen Proben. Fortsetzung folgt …

… und sie folgt jetzt (Freitag, 16.15 Uhr):
Beide Intendanten werten im Gespräch die Briefe des Wuppertaler OB zur Nichtverlängerung ihrer Verträge von Anfang Juli (Frist war wohl der 31.7.) als faktische Beendigung der Zusammenarbeit zum Sommer 2014 durch die Stadt. Weder habe es im Vorfeld Gespräche über die Vertragssituation gegeben, noch sei Ihnen bisher ein Gesprächsangebot zur angeblich trotzdem möglichen Fortsetzung des Vertragsverhältnisses gemacht worden. Im Gegenteil habe Ihr Arbeitgeber, der Aufsichtsrat der Wuppertaler Bühnen, bis jetzt, gut sieben Wochen später, noch nicht mit ihnen geredet, zum Beispiel in Gestalt seines Vorsitzenden, des Wuppertaler OB. Mit ihrem Kollegen Enno Schaarwächter (kaufm. Gf der Bühnen) seien sie hingegen im ständigen Austausch – das könne aber ja kein Gespräch mit ihrem Arbeitgeber ersetzen.
Die gestrige Information der Bühnenbelegschaft im Opernhaus (morgens, nicht abends) ist nach den Worten von Treskows und Weigands Teil der regulären Besprechung zum Spielzeitstart gewesen – das sei auch ein Akt der Fairness gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Abschließend für heute: Mich dünkt, da fährt die Stadt Wuppertal mal wieder was ganz grandios in die Wicken – und zwar mit Ansage. Von Stilfragen wollen wir dabei lieber gar nicht erst reden.

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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