Warum kommen Konservative immer zu spät?

Die Konservativen in Deutschland bewahren nicht etwa das Gute, sondern sind bloß von Gestern: In der Umwelt- und Energiepolitik, bei der Interkultur (Migration, Prekariat, Homosexualität), der Regulierung des Finanz- und Verkehrssektors, der Doping- und Korruptionsbekämpfung. Ob Frauenquote, Digitalisierung oder Internet – einfach in ALLEM, was irgendwie relevant ist, sind Union und Co. nicht auf der Höhe der Zeit.

Die politische Rechte in diesem Land kann einem wirklich auf die Nerven gehen. Wann immer sich etwas gesellschaftlich, sozial oder technisch entwickelt, entwickeln die Vertreter des Konservatismus nur eins: Abwehrreflexe. Das Internet – mindestens doof, wahlweise Teufelszeug, jedenfalls gefährlich. Die Ausländer – zu viele und nicht integrierbar. Frauen – sollen zurück an den Herd oder als schweigende Mätresse den verheirateten Geliebten vergöttern (natürlich katholisch). Läuft im Wirtschaftsleben etwas aus dem Ruder, wird das nicht etwa schnell geregelt, sondern solange die Freiheit des Marktes gepredigt, bis nicht nur ein einzelnes Kind, sondern immer gleich eine ganze Generation in den Brunnen gefallen ist. Dann wird, wie in ALLEN anderen Fragen auch, ebenso hurtig wie halbgar, Schadensbegrenzung betrieben. Etwas konsequent durchdenken, nach vorne planen, dabei den Tatsachen Rechnung tragen? Fehlanzeige!

Nun muss man sich ja sowieso ernsthaft um Menschen sorgen, die auch im Jahr 2012 immer noch glauben, irgendein höheres Wesen habe erst vor wenigen Tausend Jahren die Erde geschaffen, Mann und Frau sechs Tage später gleich mit und sei im Zweifel auch für Hurrikan „Katrina“ und AIDS verantwortlich. Trotzdem kann man wohl von jedem erwarten, der täglich mit berechtigter Erwartung auf Lichtschalter drückt und ein Auto startet, dass er – oder sie – zumindest die Fakten akzeptiert: Soziale Ungleichheit existiert, die Menschenrechte sind universell und bis auf ein paar gekaufte Spinner bestreitet kein halbwegs seriöser Wissenschaftler mehr, dass der Klimawandel von Menschen gemacht sein muss. Stattdessen wird aber auch aktuell wieder lieber von der gottgewollten Ehe zwischen Mann und Frau gefaselt, während der Parteifreund am Kabinettstisch quasi offen schwul lebt.

Also was, verdammt, ist los mit diesem Haufen, der sich konservativ nennt? Nüchtern betrachtet gibt es darauf nur zwei mögliche Antworten: Entweder handelt es sich tatsächlich um eine Bewegung zur Vernichtung der Welt durch Umweltverschmutzung, verelendungsbedingte Konflikte und kulturelle Intoleranz. Oder es reicht intellektuell einfach nicht. Anders lässt sich nämlich kaum erklären, dass eine gesellschaftliche Gruppe auch nach 250 Jahren Aufklärungsgeschichte nicht bemerkt haben will, dass sie so gut wie jeder gesicherten Erkenntnis stets um Dekaden, in der Frage der „Schöpfung“ sogar schon ein paar Jahrhunderte hinterher hängt.

Die wirkliche Herausforderung für die Gesellschaften, nicht nur in Deutschland, nicht nur in Europa, ist dafür zu sorgen, dass eine große und wirtschaftlich oft erfolgreiche Bevölkerungsgruppe auch mental endlich in der Wirklichkeit ankommt. Andernfalls wird der Mensch nämlich schon bald sein, wovon seine größte Bedrohung offenbar täglich träumt: Vergangenheit!

Posted from WordPress for Android

Advertisements

Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
Dieser Beitrag wurde unter Beobachtungen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s