Die Kaste der Unantastbaren (3)

Jetzt wird es leider peinlich: Die „Kultur-Infarkt“-Autoren haben den Deutschen Kulturrat zur Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung gezwungen.

In einer Mitteilung von heute erklärt der Geschäftsführer des Dachverbandes der Kulturschaffenden, Olaf Zimmermann, seine eigene Äußerung vom Montag letzter Woche für „zugegebenermaßen schief“. Da hatte er in einer ersten Reaktion auf den Vorab-Artikel zum Buch im „Spiegel“ behauptet, dass die Autoren Haselbach, Klein, Knüsel und Opitz eine Halbierung der öffentlichen Kulturausgaben fordern würden. Auch in diesem Blog wurde über den Fehler berichtet: aus der im Buch geforderten Schließung der Hälfte aller öffentlichen Kultureinrichtungen wurde kurzerhand eine Halbierung der staatlichen Kulturausgaben gemacht, von der in Buch wie Artikel aber gar keine Rede ist. Zimmermanns erste Replik mit diesem Kernkritikpunkt zog viele gleichlautende – und ebenso falsche – Äußerungen von Kulturpolitikern und -wissenschaftlern nach sich, bis hin zum Hildesheimer Professor Wolfgang Schneider in der „Bild“. (Nebenbei bemerkt: Da sehen die Beteiligten mal, wie schnell einer vom anderen abschreibt, was sie ihrerseits den bösen Medien ständig vorhalten.)

Jedenfalls: Die irreführenden Behauptungen zu bemängeln ist natürlich das gute Recht der Autoren. Dazu gehört sicher auch, dem Kulturrat eine öffentliche Richtigstellung abzuverlangen. Eine anwaltliche Unterlassungserklärung hingegen …

Was soll man da sagen? Die einen lesen die Sachen nicht richtig, die sie öffentlich kommentieren (Honi soit …); den anderen fehlt es selbst an der Größe, die sie beim diskursiven Gegenüber lautstark vermissen wie nachdrücklich einfordern. Hoffentlich endet deshalb nicht die längst überfällige Diskussion über das System der Kulturförderung und seine Strukturen hierzulande bereits, bevor sie wirklich – und endlich – begonnen hat. Es wäre übrigens mehr als nur schade: Langsam verlässt das Verhalten der Beteiligten angesichts der anstehenden materiellen Systemzwänge den Bereich der Fahrlässigkeit. Dem entstehenden Schaden wird deswegen irgendwann einmal volle Absicht zugrunde gelegt werden müssen. Und dann wird das Gejammer viel größer sein als der Furor jetzt.

… to be continued

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Über derkulturpolitischereporter

Peter Grabowski ist der kulturpolitische reporter in NRW und drum herum
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